[Live] Uriah Heep, Zeche Bochum, 09.12.2014

Uriah Heep live on stage

Wenn man sich mit Anfang 40 mal wieder richtig jung fühlen möchte, geht man auf ein Uriah-Heep-Konzert. Wie praktisch, dass die Hardrock-Urgesteine, die in diesem Jahr ihr 45. (!) Bandjubiläum feiern, gerade ein neues Album draußen haben und mit diesem auf Tour sind. Die Zeche ist rappelvoll, der Altersdurchschnitt liegt irgendwo jenseits der 55. Die Show ist zwar routiniert, die Band ist aber nach wie vor mit viel Freude bei der Sache. Klassiker wie ‚Gypsy‘, ‚Easy Livin‘ und ‚July Morning‘ sind Pflicht, um ‚Lady In Black‘ kommt man natürlich ebenfalls nicht herum. Dass insbesondere der letztgenannte Song von der Band bereits  zigtausende Male dargeboten wurde, ist überdeutlich. Die Songs des neuen Albums, die in der Setlist den Löwenanteil stellen, sowie ‚What Kind Of God‘ vom Vor-Vorgänger „Wake The Sleeper“ wirken dagegen wesentlich frischer, hier hat die Band ganz offensichtlich großen Spaß. Mit ‚The Magician’s Birthday‘ wird schließlich – durchaus überzeugend – auch ein Long-Song aus der Prog-Frühphase der Band zum Besten gegeben. Die Riffs sitzen, der mehrstimminge Gesang kommt tadellos, und Bernie Show macht – wie gewohnt – als Frontmann einen verdammt guten und sympathischen Job. Ur-Mitglied Mick Box, inzwischen 67, bleibt hingegen über weite Teile des Sets statischGesten; bei ‚Lady In Black‘ lässt er sich dann aber doch zu einer Ansage hinreißen und erntet dafür großen Applaus.

Das letzte Mal live gesehen habe ich Heep vor 23 Jahren – auch damals galten sie bereits als alte Herren. Damals wie heute haben sie aber gezeigt, dass sie (a) Clubs von der Größe der Zeche noch locker voll bekommen, (b) eine richtig gute, abwechslungsreiche und unterhaltsame Rock-Show abliefern können, die manch junger Band des Genres in nichts nachsteht, dafür aber auf mehrere Jahrzehnte Erfahrung zurückgreifen kann, (c) eine derjenigen Bands aus den späten Sechzigern sind, die sich schon immer als Live-Band verstanden haben und bei denen ergo das, was man auf Konserve präsentiert bekommt, auch auf der Bühne überzeugend reproduziert wird (inklusive Leadvocals und Gesangsharmonien). Das ist im wahrsten Sinne „alte Schule“.

Zu den Vorgruppen nur wenige Worte: 21OCTAYNE bemühen sich redlich, werden aber mit ihrem Puzzle aus sehr durchschnittlichen, schon sehr oft anderweitig gehörten Standard-Versatzstücken des 70er- und insbesondere des 80er-Rock kaum nenneswert weiter von sich reden machen als über ihren lokalen Wirkungskreis hinaus. Immerhin aber ein sympathischer Auftritt, der – auch aufgrund mitgebrachter Fanbase – vom Publikum wohlwollend aufgenommen wird.

VOODOO CIRCLE sind hingegen eher ärgerlich: Mit zig Effekten aufgepumpte, in punkto Songwriting aber strunzlangweilige Power-Rock-Songs paaren sich mit einer derart überzogenen Rockstar-Attitüde – insbesondere des Sängers David Readman (unter anderem auch bekannt von Pink Cream 69) –, dass es alles sprengt, was man sich an Realsatire vorstellen kann (Spinal Tap, irgendwer?). Readman ist nicht Coverdale (und davon, es tatsächlich zu sein, auch die eine oder andere Galaxie entfernt), scheint das aber als einziger noch nicht so recht mitbekommen zu haben. Gut, dass das Set irgendwann vorüber ist. Der einzig interessante Song ist das Led-Zeppelin-Cover ‚Rock and Roll‘ ganz am Ende, das einigermaßen passabel dargeboten wird; im Kontext des gesamten Auftritts ist diese Coverversion aber eigentlich eine Frechheit.

Egal: URIAH HEEP entschädigen mit ihrem anschließenden Auftritt locker für die Lebenszeit, die man gezwungenermaßen den Support Acts geopfert hat, um endlich den Hauptact sehen zu können. Und Bernie Shaw demonstriert mit seiner unprätentiösen, charmanten und immer auch ein wenig lausbubenhaften Art, dass die wahren Meister ihres Fachs peinliches Rockstargehampel à la VOODOO CIRCLE nicht einmal im Ansatz nötig haben, um auf voller Linie zu überzeugen.

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Can’t Fight The Magic: Queen, Forever (Deluxe Edition, 2014)

Queen, ForeverObjektiv betrachtet ist das neue Queen-„Album“ (natürlich) nichts als Kommerz: 36 bekannte Songs verteilt auf zwei CDs, deren Remaster-Versionen sich, da man die Songs ohnehin schon hunterfach im Ohr hatte, nicht bahnbrechend von den Original-Recordings unterschieden. Hinzu kommen die als Daseinsberechtigung für die Scheibe zu diskutierenden drei „neuen“ Songs: ‚There Must Be More To Life Than This‘, die Zusammenarbeit mit Michael Jackson, ist für Komplettisten (und für Kinder der 70er und 80er) fraglos interessant, musikalisch aber nun nicht wirklich originell (‚It’s A Hard Life‘ kann als Blaupause herhalten). ‚Love Kills‘ ist mit seinen typischen Queen-Harmoniefolgen ganz nett, gegenüber manch früheren Großtaten aber eher Durchschnitt. ‚Let Me In Your Heart Again‘ schließlich ist ein Relikt aus den Sessions zum 1984er „Works“-Album. Weshalb es der Song damals nicht aufs Album geschafft hat, liegt bereits nach wenigen Takten klar auf der Hand, handelt es sich doch im Großen und Ganzen um nichts anderes als eine simplifizierte Variante des großartigen ‚Hammer To Fall‘; die Gitarren-Licks sind teilweise sogar fast mit denen von ‚Hammer To Fall‘ identisch.

Und dennoch: Ich kann mir nicht helfen: Sobald Freddie Mercury singt und der typische Brian-May-Gitarrensound aus den Boxen schillert, stellt sich bei mir unwillkürlich das als kognitives Schema verinnerlichte Queen-Feeling ein. Das Queen-Feeling, das Queen-Erinnerungen weckt. Erinnerungen beispielsweise daran, wie ich Ende November 1991 (kurz vor dem Abi) mit Pfeifferschem Drüsenfieber schlaflos im Bette darniederlag, nächtelang Radio hörte, und der SDR dann plötzlich am frühen Morgen zum ersten Mal die Meldung von Freddie Mercurys Tod brachte. Das war ein Schock.

Das Queen-Feeling und die Queen-Erinnerungen haben sich bei mir über die Jahre immer sehr zuverlässig dann eingestellt, wenn mal wieder irgendein Schnipselchen aus Mercury-Studio-Takes von der gnadenlosen Verwertungsmaschinerie der Musikindustrie aufgegriffen und als fadenscheiniger, aber wirkungsvoller Rückfallköder auf die Queen-Fans alter Schule losgelassen wurde, auf diejenigen, die den „Mercury-Schock“ am 24.11.1991 selbst noch hautnah miterlebt haben. Denen er in Mark und Bein gefahren ist. Ich wette, dass kaum einer – selbst Leute, die Queen seinerzeit eher nur nebenbei gehört haben – sich der Magie solcher artifiziell im Studio zusammengeschnittener Queen-Revivals entziehen konnte. Und kann.

Und seien wir mal ganz ehrlich: Auch wenn ‚Let Me In Your Heart Again‘ letztlich nur eine B-Version von ‚Hammer To Fall‘ darstellt: Es ist immerhin eine B-Version von ‚Hammer To Fall‘, und es ist verdammt noch mal Queen. Queen, Queen, Queen. Man kann daran herummäkeln, aber man kann einfach nichts dagegen tun, dass es trotzdem über den Rücken kribbelt. Queen haben schon längst alles gesagt – und trotzdem ist die Magie noch da, sei sie auch aus noch so fragwürdigen Motiven und als kalkulierte Legitimation für ein x-tes Greatest-Hits-Album in der Manier „naturidentischer“ Aromastoffe synthetisiert worden.

Terry Pratchett schrieb einmal sehr treffend, es sei ein Gesetz, dass Audiokassetten, die länger als 14 Tage unbeobachtet in einem Auto herumliegen, sich automatisch in „Queen: Greatest Hits“ verwandeln. Wenngleich diese Feststellung einer empirischen Überprüfung vermutlich nicht standhält, so dürfte sie doch bei vielen, die in den 80ern in einer Queen-Umwelt sozialisiert wurden, intuitiv zu heftigem Kopfnicken führen. Das Album „Forever“ beweist, dass an dieser Intuition nach wie vor etwas dran ist: Egal, was an Songfragmenten mit Mercury-Gesang ausgegraben wird, es klingt immer irgendwie wie etwas, das gerade im Begriff ist, sich unbemerkt in „Queen: Greatest Hits“ zu verwandeln. Das zwar nie die Klasse der tatsächlichen „Queen: Greteast Hits“ erreicht, diesen aber verdammt nahe kommt. Weil die Magie da ist.

Kaufempfehlung für „Queen: Forever“? Natürlich nicht. Ob man die Scheibe trotzdem haben muss? Aber ganz bestimmt!

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Legacy #92: Tom Angelripper, Deserted Fear, Decapitated, Earth, Earthship, Meshuggah & Co.

Legacy #92Juli und August waren heiße Monate – nicht nur meteorologisch, sondern auch in punkto neuer Releases. Da die LEGACY-Ausgabe #92 aufgrund der Festivalsaison gegenüber dem üblichen Zwei-Monats-Turnus verspätet erscheint, ist der Berichtszeitraum und damit die Fülle der Releases größer als sonst schon. Masse muss nicht Klasse heißen, doch in diesem Fall gab es diverse einschlägige Scheiben, auf deren analytische Inohrenscheinnahme ich mich teilweise bereits Monate im Voraus gefreut hatte.

Meine beiden persönlichen Alben der Saison kommen von EARTH und – wie könnte es anders sein – von MASTODON, beachtlich und ebenfalls herausragend sind weiterhin die Zweitlinge von EARTHSHIP und von BEYOND CREATION sowie – mit unfassbarem Hitpotenzial – die neue Scheibe von ONKEL TOM (die ich allesamt für die aktuelle Ausgabe rezensiert habe). Darüber hinaus sind auch die neuen Releases von CANNIBAL CORPSE und DECAPITATED erstklassig, beide Bands präsentieren sich stilistisch innovativ wie kaum zuvor.

Neben neun Reviews habe ich zur Ausgabe wieder verschiedene Interviews beigesteuert:

Mit Tom Angelripper führte ich ein einstündiges Telefoninterview, das sich als so ergiebig entpuppte, dass dabei nicht nur der für das Heft vorgesehene Zweiseiter, sondern darüber hinaus auch ein ebenso langer zusätzlicher Artikel heraussprang, der auf der LEGACY-Website veröffentlicht ist. Während der Text im Heft vor allem um das neue Studiowerk „H.E.L.D“ von ONKEL TOM kreist, geht es im Online-Bonusinterview um den ganzen Rest, insbesondere um ein mögliches neues SODOM-Release, die Metalszene im Allgemeinen sowie die „Goldenen Achzigerjahre“ im Speziellen

Mit Fabian von DESERTED FEAR habe ich neben einem Studio-Vorbericht zum (nicht nur von mir mit Spannung erwarteten) kommenden zweiten Album „Kingdom Of Worms“ ein Interview über die bewegten zwei Jahre seit dem vielbeachteten Debüt der Band sowie das Songwriting und die Aufnahme der neuen Scheibe geführt. Den Studiobericht gibt’s im Heft, das Interview online. Weil es so schön ist, wird es im nächsten LEGACY obendrauf noch einen weiteren Zweiseiter zum Album geben, diesmal u.a. mit Schwerpunkt auf den kleinen, aber feinen Weiterentwicklungen im Songwriting der Band sowie Hintergründen zu den Lyrics. Passend dazu kommt dann auch die schonungslose Review des am 24.10. erscheinenden Albums (das – so viel sei schon verraten – selbst kritischster Analyse souverän standhält und dessen die Band, dessen bin ich mir sicher, erneut ein deutliches Stück voranbringen wird).

Mit Vogg von DECAPITATED habe ich mich über das neue Album der polnischen Death-Metal-Institution, den Gesundheitszustand von Drummer Covan, den Alltag als Musiker und Bandmanager in Personalunion sowie die Lage der Welt unterhalten. Amüsant darüber hinaus auch mein Interview mit den brasilianischen Newcomern von CONSIDERED DEAD, bei dem es – aktuellen Ereignissen geschuldet – zwangsläufig nicht nur um Metal, sondern auch um Fußball im Allgemeinen sowie die geschichtsträchtige Halbfinalniederlage der Seleção gegen Deutschland ging. Wer auf Old-School-Death-Metal mit erkennbaren Thrash-Wurzeln (Slayyeeeeerrr!!) steht, sollte übrigens unbedingt das jüngst von F.D.A. Rekotz wiederveröffentlichte Demo dieser Band antesten (Anspieltipp: ‚Claiming Insanity‘).

Zum 25-jährigen Bandjubiläum von MESHUGGAH gab es im September übrigens ein Re-Release der Ein-Track-EP „I“. Das musste unbedingt auch noch einmal besprochen werden – nicht nur des Jubiläums wegen, sondern vor allem auch, weil das darauf enthaltene 25-minütige Stück Proggeschichte die stilistische Formel der Schweden so kongenial zusammenfasst wie vermutlich kaum ein anderes Werk der Band.

Die ausführlichen Releases zu allen von mir besprochenen Tonträgern finden sich im Heft. Als Teaser seien hier pro Album nur jeweils zwei zusammenfassende Sätze vorausgeschickt – den Rest sowie weitere 270 Seiten Lesestoff gibt es wie gewohnt beim Zeitschriftenhändler. ;-)

  • BEYOND CREATION „Earthborn Evolution“
    (Season of Mist)
    Die Kanadier präsentieren auf ihrem zweiten Album technischen, leicht angejazzten Death Metal, der zwar spielerisch und kompositorisch anspruchsvoll daherkommt, der aber dank eines durchgängig nachvollziehbaren Riffings, diverser grandioser Hooklines und epischer Gitarrensoli niemals verkopft wirkt. Wer sich für frühe Cynic oder die progressiven Alben aus dem Oeuvre von Death begeistern kann, wird an dieser Scheibe seine Freude haben. (13/15 Punkte)
  • EARTH „Primitive And Deadly“
    (Southern Lord)
    Wo sich der Großmeister der Langsamkeit, Dylan Carlson, in den vergangenen Jahren zugunsten glasklar zelebrierter Americana unter stetiger Reduktion des musikalisch Erforderlichen eine gewisse Askese auferlegte, wird nun wieder hemmungslos den fetten Garagensounds mit feinen, den Riffs immanenten Rückkopplungen gefrönt. EARTH gelingt es mit „Primitive And Deadly“, die Höhepunkte ihres bisherigen Schaffens in einzigartiger Weise zu integrieren und auf en neues Level zu heben. (13/15 Punkte)
  • MASTODON „Once More ‚Round The Sun“
    (Reprise/Warner)
    „Once More ‚Round The Sun“ vereint über weite Strecken die Trademarks der beiden letzten Alben, ohne die Sludge-Kante früherer Großtaten gänzlich abzulegen. Auch wenn man nicht die Einzigartigkeit von „Crack the Skye“ oder die Erbarmungslosigkeit eines „Leviathan“ erreicht, ergibt sich unterm Strich eine Scheibe, die einmal mehr und überzeugend beweist, welche stilistische Eigenständigkeit sich MASTODON innerhalb der Metalszene erspielt haben. Gäbe es diese Band nicht, man müsste sie erfinden. (12/15 Punkte)
  • EARTHSHIP „Withered“
    (Pelagic Records)
    EARTHSHIPs musikalische Signatur verknüpft die Sludge-Urgewalt von Mastodons Frühwerk („Remission“, anybody?) stilsicher einerseits mit Death’n’Roll-Elementen inklusive Sunlight-Sound und andererseits mit Bezügen auf ganz frühe Black Sabbath. Der Sound ist heavy as fuck und quetscht einen mit der Wucht eines im Standgas operierenden 40-Tonners gegen die Wand. Fans der genannten Einflüsse kommen an dieser Scheibe kaum vorbei. (12/15 Punkte)
  • CONSIDERED DEAD „Mentally Tortured“
    (FDA Rekotz)
    Was auf „Mentally Tortured“, dem Re-Release des Demos der brasilianischen Newcomer, aus den Boxen ballert, ist in ungefähr die Schnittmenge dessen, was frühe Slayer, klassische Sepultura sowie die Prototypen ganz alter Stockholmer und Ostküsten-Schule fabriziert haben: interkontinentaler Old-School-Death-Metal, der seine Thrash-Wurzeln stolz zur Schau stellt – oder auch schnörkellos effektiver US-Thrash mit ranziger Death-Metal-Schlagseite. Das Teil versprüht jede Menge Old-School-Charme bis hin zum organischen, nicht allzu transparenten Sound. (10/15 Punkte)
  • ONKEL TOM „H.E.L.D.“
    (Steamhammer/SPV)
    Erneut zelebriert der ONKEL seine prollig-charmante, gerne mal mit einem Augenzwinkern apostrophierte Mischung aus Deutschpunk, Deutschrock und Metal, und fährt dazu ein abwechslungsreiches 13-Gänge-Menü mit ungemeiner Hitdichte auf. Sämtliche Songs der Scheibe haben Ohrwurmcharakter, sind knackig, süffig und lassen sich direkt mitgrölen – sogar nüchern, wenn’s denn sein muss. (12/15 Punkte)
  • MESHUGGAH „I“ (Reissue)
    (Nuclear Blast)
    ‚I‘ bezeichnete 2004 nicht weniger als eine Vermessung des stilistischen Kosmos, den MESHUGGAH mit ihren ersten vier Alben entworfen hatten, und zugleich ein sperriges wie aufregendes Stück progressiven Thrash Metals, das Hirn und Ohr auf eine zieloffene musikalische Entdeckungsreise schickte, die auch beim x-ten Hören noch zu faszinieren verstand. Ein kleines Meisterwerk von zeitloser Größe, neu aufgelegt zum diesjährigen Bandjubiläum, das 25 Jahre MESHUGGAH paradigmatisch wie kein anderes Stück der Band auf den Punkt bringt. (–)
  • THEORY OF A DEADMAN „Savages“
    (Roadrunner)
    Wer sich immer schon gefragt hat, wie eine Band klingen mag, die null Prozent künstlerische Ambitionen hat und deren ausschließlicher Antrieb darin besteht, um jeden Preis ins Mainstreamradio kommen zu wollen, der braucht diese Scheibe unbedingt; ansonsten braucht sie keiner. Da der Monat so viele andere spannende Releases zu bieten hat, lässt sich der Rezensent dazu erweichen, die hier vorgelegte Dreistigkeit zumindest teilweise mit „Geschmäcker sind verschieden“ zu entschuldigen und das Album mit maßlos übertriebenen 4 Zählern zu würdigen, befürchtend, ihm damit eine seiner höchsten ernstgemeinten Bewertungen überhaupt zu bescheren. (4/15 Punkte)

Fürs nächste Heft, bei dem schon jetzt die redaktionelle Deadline naht, wird es von mir Reviews und Artikel u.a. zu den folgenden Bands geben (alphabetisch): 7 H.Target, Abysmal Dawn, Atriarch, Bastard Feast, Black Crown Initiate, Deserted Fear, Dying Out Flame, Robert Plant, Tantal. Das neue Album von Robert Plant ist bei mir natürlich außer jeder Konkurrenz (und schon jetzt, obgleich erst jüngst erschienen, der heißeste Anwärter auf mein persönliches Album des Jahres). Mein Album des Monats ist ansonsten die unfassbar wüste, herrlich wilde und arschcool runtergezockte BASTARD-FEAST-Scheibe „Osculum Infame“. Dazu dann aber mehr in Bälde… ;-)

 

 

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Robert Plant, lullaby and … the Ceaseless Roar (Nonesuch/Warner Bros. Records, 2014)

Robert Plant, lullaby and ... the Ceaseleass RoarWas Robert Plant auf seinem zehnten Solo-Album präsentiert, ist die Quintessenz eines Musikerlebens, das stilistisch nie auf der Stelle trat oder frühere Großtaten zu konservieren sich bemühte, sondern stets mit offenem Ohr durch die Welt reisend Neues in sein künstlerisches Repertoire integriert und dabei Schritt um Schritt alles Prätentiöse, Gekünstelte, Gewollte, jedwede überpointierte Phrase, jede noch so kleine Überstilisierung im Ausdruck abgelegt hat. Was uns 2014 begegnet, ist Skelett und Kern der Plant’schen Seele, vielleicht die vollendete Formel dessen, was im optimalsten Fall im letzten Drittel eines erfüllten Musikerlebens stehen kann: eine maximale Reduktion der eingesetzten Mittel bei gleichzeitiger maximaler Verfeinerung des emotionalen Ausdrucks. Das Beeindruckende daran: Das Ganze wirkt zu keiner Sekunde so, als habe Plant seine Mittel nur deshalb reduziert, weil seine Stimme, altersbedingt, heutzutage mit einem geringeren Stimmumfang auskommen und auch mit Volumen und Dynamik klug haushalten muss. Hier sind wir Zeuge einer ästhetischen Verfeinerung mit dem durch das Alter geklärten Blick für das Wesentliche, das Relevante, das wirklich Notwendige und das im Schlichten Schöne. Vorgetragen werden die Stücke so natürlich, so selbstverständlich, fast wie beiläufig, dass es einem vorkommt, als stünde er gerade hier neben uns, der Robert, an der Bushaltestelle, vor dem Teeregal im Supermarkt, sinnierend vor einer Werbetafel mit dem Aufdruck „Manic Nirvana“ oder in sonstiger profaner Umgebung, und summte einfach so vor sich hin, gedankenverloren bei alltäglichen Verrichtungen, einfach weil ihm gerade danach ist.

Das ist große Kunst.

Auch die Instrumentierung ist nicht plakativ, sondern luftig, bedacht, zurückgenommen, und gerade dadurch an genau den richtigen Stellen enorm akzentuiert. Hier gibt es viel Freiraum zum Atmen – Freiraum, den der junge Plant mit der Allmacht seiner stimmlichen Gewalt raumgreifend wie respekteinflößend ausgefüllt und gestaltet hätte. Der alte Plant gestaltet ebenfalls, tritt dabei aber kaum mehr in den Vordergrund als die bedacht agierenden Instrumentalisten – und dominiert die Szene dennoch wie ein stets präsentes, Freiräume beanspruchendes, sich seiner Historizität bewusstes (diese aber nur punktuell aufblitzen lassendes) Orakel. Musikalisch findet sich in der herrlich spärlichen Instrumentierung bei genauem Hinhören vieles wieder, was Plants musikalischen Weg gekreuzt und definiert hat: Bluesiges, Folkiges, Orientalisches, ganz selten auch mal ein harter Akkord – alles in größtmöglicher Zurückhaltung, ganz so als wolle uns der Künstler sagen „Seht her: Dies alles sind Schnappschüsse dessen, was ich war oder hätte sein können. Und ich war so vieles. All das habe ich in früheren Phasen meines Schaffens bis ins Kleinste studiert, verinnerlicht, durchexerziert – und damit war alles gesagt. Deshalb deute ich es hier einfach nur mal kurz an, wo es mir gerade in den Sinn kommt. Tiefergehende Einlassungen zur Sache entnehmt bitte meinen früherem Werk. Das müsst ihr aber nicht hören – die Andeutung genügt. Ich habe mir ihre Formgebung reiflich überlegt, und sie repräsentiert nur und genau das, was ich im Laufe meines Lebens über diesen und jenen Stil gelernt habe. Also vergeudet nicht eure Zeit mit Rekonstruktion, mit dem Schwelgen im Gestern, sondern hört euch nur dieses eine Album an, das die Quintessenz all dessen enthält, womit ich mich über Jahrzehnte beschäftigt habe – und verwendet die dadurch gesparte Zeit auf euer eigenes Leben. Auf dass es ein gutes und erfülltes werde.“

Das Herrliche ist, dass Plant 2014 so down to earth ist. So menschlich. Er war es auf seinen vorigen Alben schon, mindestens seit „Fate of Nations“. Wurde es immer mehr. Und ist jetzt ganz bei uns angekommen, ganz zuhause, im Wohnzimmer, nicht ins Sofa gefläzt, sondern eher auf kurzem Besuch an die Küchendurchreiche gelehnt. Einer von uns. Ganz authentisch. Aber eben immer eine Spur empfindsamer als wir Normalsterblichen. Und trotzdem unüberheblich, wiewohl stets und überall die Signatur der Legende hinterlassend. So glaubhaft, dass er im Gegenzug wieder damit kokettieren kann.

Robert Plant 2014 macht uns Staunen – gerade in seiner Schlichtheit, die ein Resultat umsichtiger, sich stetig vorwärts tastender, neugieriger, nie stillstehender Verfeinerung ist.

Jeder Mensch trägt in sich das Egozentrische, Narzisstische, das Widerstreben, Göttern zu huldigen. Robert Plants neues Album lehrt uns zu gleichen Teilen schmerzhaft und erfüllend, dass es immer mindestens einen gibt, vor dem wir uns unserer Nichtigkeit bewusst werden: den Ausnahmesänger des 20. Jahrhunderts, der auch mit 66 Jahren nichts, aber auch gar nichts von seiner Gabe eingebüßt hat, uns die Welt zu erschließen, in feinen und feinsten Nuancen.

Robert Plant ist so vieles. Sein neues Album ist aber vor allem eines: Anrührend. Perfekt.

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Jona im Feuerofen: Bölzer, Aura (Iron Bonehead, 2013) / Soma (Invictus, 2014)

BölzerEs ist beeindruckend, nachgerade sensationell, wie es dem Schweizer Duo BÖLZER mit lediglich zwei EPs gelingt, all das, was Death und Black Metal im Kern schon immer aufregend gemacht hat, zu einer ungemein fesselnden und dabei sehr eigenständigen Interpretation extremer, entfesselter Klangkunst zu verdichten. Das Gespür des Duos für Atmosphäre ist nicht anders als begnadet zu nennen – und das ganz ohne aufgeblasene Drum- oder überproduzierte Gitarrensounds. Urgewalt wird hier basisch, den Gesetzen organischer Entwicklung angenähert, erzeugt: Die Gitarren atmen Krume, Glut und Lavakruste, das Klangbild sirrt, wummert, dröhnt und vibriert, dass der Erdmantel in seinen Grundfesten erzittert und sich artifizielle Nähmaschinen-Sounds dagegen wie laue Lüftchen ausnehmen. Ein Song wie ‚Entranced By The Wolfshook‘ ist, das behaupte ich schon jetzt, ein erhabenes Stück Musik für die Ewigkeit: Was Led Zeppelin für den Hardrock mit ‚Kashmir‘ gelang, glückt BÖLZER mit diesem Song für den Schnittbereich aus Death, Black und Sludge Metal: ein musikalischer Monolith wie aus einem Guss, der einen aufregenden Aufbruch ins musikalisch Unerforschte verheißt. Der zugehörigen Faszination kann man sich nur schwer (ach was: gar nicht!) entziehen.

Stilistisch liegen verschiedene Parallelen auf der Hand, die der eigenwilligen Signatur des Duos aber bestenfalls in Einzelaspekten gerecht werden: In ihrer unerbittlichen Konsequenz erinnern die Kompositionen an Bolt Thrower, der finstere Groove lässt Bands wie Necros Christos oder Grave Miasma assoziieren, der schiere Wahnsinn verweist vage in Richtung Watain und Consorten. Die Songs entwickeln sich intuitiv-orgiastisch und stehen dabei z.T. deutlicher in der Tradition des Black als des Death Metal, die Gitarrenarbeit oszilliert zwischen der Wucht sehr alter, sehr tiefer Schwedeneruptionen und flirrenden Post-Black-Metal-Soundwänden, die dem inneren Auge Fiebertraumbilder vom Innenleben in Brand gesetzter Wespennester bescheren. Das Ganze stelle man sich als durch den tiefsten, zähesten und stinkendsten Morast gezogen vor, den der Sludge zu bieten hat, und mit dem süßlich-eitrigen Virus doomiger Autopsy-Momente versetzt. Hall verleiht Weite und übersphärische Größe, aber nur genau so weit, dass das Klangbild insgesamt nicht verschwimmt und für den Betrachter präzise als innere Struktur reproduzierbar bleibt. Das Resultat entwickelt eine Wucht, die weniger von außen als aus dem eigenen Inneren heraus an einem zehrt, zerrt, nagt und wildert: Nicht der Aufprall des stählernen 40-Tonners ist es, der ihrer Gewalt zum Bilde gereicht, sondern die septisch-schwärende Wucherung im Abdomen des Irrsinnigen, die zum Bersten gespannte Lunge des Apnoetauchers, der Flammen inhalierende Atemzug Jonas im Feuerofen, der grollende letzte Gedanke Gottes vor dem Verstummen allen Seins.

Man muss kein impressionistisch orientierter Zeitgenosse sein, um BÖLZER zu schätzen. Man kann die beiden Scheib(ch)en auch einfach als einen außerordentlich gelungenen Karriereauftakt einer talentierten Band hören, die trotz künstlerischer Jugend bereits Kompositionen von beachtlicher Reife hervorbringt, die die Fundamente, auf denen sie errichtet sind, nicht leugnen, die sich mit überkommenen Mustern des Genres aber nicht in Gänze erfassen lassen und die über aller Raserei mit nur wenig Eingewöhnung eine enorme Eingängigkeit entwickeln.

Auf das Debütalbum, das für 2015 in Aussicht gestellt ist, darf man gespannt sein. Aura (2013) und Soma (2014) werfen bis dahin schon einmal gewaltige Schatten voraus. Gewaltige!

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Legacy #91: Fallujah, Blackberry Smoke, Inanimate Existence, Pillory, Omnihility, The Black Dahlia Murder

Legacy #91Sommerloch geht anders: Der Juni war wieder LEGACY-Monat. Sollte der Sommer sonst nichts zu bieten haben, trägt einen die 290-seitige Ausgabe #91 bei wohldosierter Lektüre locker bis in den heißen Herbst. Beigetragen habe ich zum neuen Heft Reviews und Beiträge zu den folgenden Bands und Releases:

[1] Unter dem Titel „Bluest, soult, gospelt und rockt“ habe ich dem hierzulande noch als Geheimtipp gehandelten, in den USA aber längst auf Chartpositionen rangierenden Southern-Rock/Blues/Gospel/Country-Quintett BLACKBERRY SMOKE aus Georgia auf den Zahn gefühlt. Fans von Bob Seger, Lynyrd Skynyrd, den Black Crowes, den Rolling Stones, The Allman Brothers oder The Free sollten unbedingt ein Ohr riskieren; und auch, wer vom jüngsten Springsteen-Output enttäuscht ist, hat gute Chancen, aus dero Album „The Whippoorwill“ Trost und neuen Lebensmut zu schöpfen. Trotz „klassischer“ Vorbilder wirken BLACKBERRY SMOKE dabei niemals antiquiert; sie in die Retro-Ecke einzuordnen, wird ihrem Schaffen nicht gerecht. Hier wird nicht Gestriges wiederbelebt, sondern unverkrampft an ungebrochene Traditionen angeknüpft und diese in zeitgemäßem Gewand weitergeführt. Die Scheibe habe ich mit 13 von 15 Punkten rezensiert, im Interview äußern sich die fünf Bandmitglieder zu ihren stilistischen Wurzeln, zum Songwriting und zum Aufnahmeprozess.

[2] BLACKBERRY SMOKEs „The Whippoorwill“ ist fraglos ein klasse Album – mein persönliches Highlight des Monats hört aber auf den Namen „The Flesh Prevails“ und kommt von den US-Prog-Deathern FALLUJAH. Hier treffen Atheist auf Dream Theater, Deafheaven auf Pink Floyd, Cynic auf Portishead – aber nicht in Form anstrengenden „Musik-für-Musiker“-Gefrickels, sondern als ungemein stimmig wie stimmungsvoll arrangiertes, die Fühler weit in Richtung Progressive Metal ausstreckendes Stil- und Melodienfüllhorn. Die Fundamente bilden technischer und melodischer Death Metal; wer aber in so vielen musikalischen Welten zuhause ist wie FALLUJAH, der kann aus allen Welten das Beste schöpfen und daraus einen einzigartigen Breitwandfilm fürs innere Auge erschaffen. Ich habe lange überlegt, ob ich das Album mit 15 Punkten bewerten soll; dass es letztlich nur 14 wurden, ist eher dem Zaudern vor der Höchstpunktzahl als rationalen Erwägungen geschuldet. Im Interview spreche ich mit der Band unter der Überschrift „Goldene Zeiten“ darüber, wie man künstlerische Grenzen aufspürt und sprengt, auf den ersten Blick Unvereinbares zusammenbringt und sich kreativ immer wieder neu herausfordert. Angst vor künstlerischer Stagnation hat Alex Hofmann für die Zukunft nicht. Es gibt ja noch so viel zu entdecken…

[3] Progressiven Death Metal mit einigen Überraschungen bieten auch die Kalifornier INANIMATE EXISTENCE auf ihrem Zweitwerk „A Never-Ending Cycle Of Atonement“. Technischer Death Metal trifft hier auf smoothe Fusion-Parts und Instrumentierungen mit Flöte, Bongo und Harfe (!). Während FALLUJAH Genregrenzen sprengen, bleiben INANIMATE EXISTENCE klar im Tech Death verortet, erweitern diesen aber von innen heraus durch das Spiel mit ungewöhnlichen Klangfarben und durch die Integration von Jazz-Elementen. Ein ebenfalls beachtliches Album, lediglich die Vocals sind auf Dauer etwas eintönig. Das aber ist Jammern auf hohem Niveau. Es wird spannend sein, die weitere Entwicklung dieser Band im Auge zu behalten. Für das Album, gab es von mir 11 Punkte, im Interview habe ich mich mit der Band unter dem Titel „Das Ohr ist der Weg“ u.a. darüber unterhalten, was Songschreiben und Goldschürfen geminsam haben, welchen Einfluss Musiker wie Al Di Meola auf das Album hatten und welche übergreifende Rahmenhandlung die einzelnen Songs verbindet.

[4] Gäbe es einen Studiengang „Angewandter Death Metal“, so klänge ein Einser-Referat im Diplomandenseminar möglicherweise genau so wie das Album „Deathscapes Of The Subconscious“ von OMNIHILITY – nämlich nach einer enorm ambitionierten Umsetzung einschlägiger Lektionen aus dem Kanon des Faches, ausgeführt durch Personen, die mit profunder Sachkenntnis und ungeheurem Fleiß zu Werke gehen. In den besten Momenten gelingt es dabei, auch eigene Akzente zu setzen; für das nächste (dann dritte) Release sollte man aber ins Auge fassen, mehr stilistische Eigenständigkeit zu wagen, um sich deutlicher von der Masse an genrerelevanten Veröffentlichungen abzuheben. Fürs Album gabs 10 Punkte. Im Interview „Die for Metal? Live for Metal!“ gewährt die Band einen Blick hinter die Kulissen des Albums und gibt Auskunft über ihre nächsten Pläne, über Brückenschläge zur klassischen Musik und über die Metalszene in ihrer Heimat Oregon.

[5] Wem der Weg zur Schönheit nicht über zweispurig ausgebaute Auffahrtsstraßen, sondern über komplexe, vertrackte, eigenaktiv zu erarbeitende Pfade führt, der sollte sich mit dem Namen PILLORY anfreunden. Die Stücke auf „Evolutionary Miscarriage“ kommen klug ausgetüftelt daher und laden ein zur (Wieder-)Entdeckung des analytischen Gehörs. Statt fetter Groovewalze regieren an Jazz angelehnte Strukturen, über denen die einzelnen Instrumente mit mal mehr, mal weniger ausgeprägten Freiheitsgraden operieren. Hat man sich einmal in den Klangkosmos von PILLORY vorgetastet, funktionieren die Songs hervorragend als Sudoku für das intellektuell anspruchsvolle Synapsenkollektiv. Dafür satte 11 Punkte.

[6] Zu guter Letzt liefere ich in #91 die Review der neuen DVD „Fool ‚Em All“ von THE BLACK DAHLIA MURDER nach. Im letzten Heft habe ich zwar mit Band-Mastermind Trevor Strnad bereits über den Doppel-Silberling gesprochen, gesehen hatte ich ihn mangels Promocopy allerdings noch nicht. Das wurde nun nachgeholt – und zwar mit großem Genuss: Das Opus wartet mit einer 78-minütigen Tourdokumentation sowie 58 Minuten Liveaufnahmen aus dem Jahr 2013 auf. Die Konzertaufnahmen sind sauber produziert, ansprechend gefilmt und taugen hervorragend zum Headbangen vor dem heimischen Fernseher. In der Tourdokumentation präsentiert sich die Band inklusive Roadcrew hinter, neben und abseits der Bühne, gerne auch im Tourbus und bevorzugt in ausgelassenem Zustand, als Spaß- und Grasguerilla, die dem alltäglichen Wahnsinn des Tourlebens vor allem eines entgegensetzt: Jux und Dollerei bis zum Umfallen. Insgesamt ein gelungenes wie anarchisches Porträt einer grundsympathischen Band, das ohne aufgesetzte Dramaturgie auskommt und gerade dadurch besticht.

Für Heft #92 (Erscheinungstermin: 16. September) rezensiere ich u.a. die neuen Alben von MASTODON, EARTH, BEYOND CREATION, EARTHSHIP und ONKEL TOM, das auf FDA Rekotz neu aufgelegte erste Demo der brasilianischen Death-Threasher (oder Thrash-Deather?) von CONSIDERED DEAD sowie die zum 25. Bandjubiläum wiederveröffentlichte legendäre Ein-Track-EP „I“ von MESHUGGAH. Daneben interviewe ich Tom Angetripper (zum neuen ONKEL-TOM-Album, zu den nächsten Plänen von SODOM und zur Metalszene im Allgemeinenm), DESERTED FEAR (Studiobericht zum angekündigten, derzeit noch namenlosen zweiten Album, ergänzt um ein ausführliches, online erscheinendes Interview), DECAPITATED (zum neuen Album „Blood Mantra“) und CONSIDERED DEAD. Zum Ausnahmestatus von MASTODON müssen (auch wenn das neue Album die Klassiker der Band nicht unbedingt toppt) keine Worte mehr verloren werden. Wer auf Prog/Tech-Death der Marke DESCEND und INANIMATE EXISTENCE, gerne auch frühe CYNIC und DEATH, steht, der darf, kann und sollte sich schon jetzt das Album „Earthborn Evolution“ der Kanadier BEYOND CREATION auf dem Einkaufszettel vormerken. Unbedingt!

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Erstkontakt: Mastodons „Once More ‚Round The Sun“ (VÖ 20.6.). Ein Hörbericht

Mastodon, Once More 'Round The SunSeit Monaten warte ich auf dieses Album, mit der Vorab-Review-Copy hat es offenbar nicht hingehauen (oder die Band hat im Vorfeld nur sehr selektiv welche verteilt), entsprechend musste ich bis heute, 20. Juni, 0:00 Uhr MEZ, warten. So weit, so gut: 0:00 Uhr abgewartet, die amazon-Musikbibliothek upgedatet … und wiederholt upgedatet … und schließlich um 00:50 Uhr die Vorbesteller-AutoRip-MP3-Version heruntergeladen:

Erster Durchlauf, dabei nur spontane Notizen (begleitend zur Inohrenscheinnahme), basierend auf unmittelbaren ersten Eindrücken. Kein abschließendes Urteil, für heute nur Vorläufiges und Unredigiertes – Track by Track und ohne nachträgliche Überarbeitung:

(1) Tread Lightly

Atmosphärisch interessantes Intro. Orientalische Anklänge, dann pulsierender Einstieg. Vocals von Troy Sanders, ein wenig wie bei ‚Black Tongue‘. Ist die Zeile „Facing the unknown“ programmatisch für das gesamte Album? Man wird sehen. Stimmungsmäßig liegt der Song im Schnittbereich von ‚Oblivion‘ und ‚Black Tongue‘, der Chorus erinnert auch ein wenig an ‚All The Heavy Lifting‘. Gute, dynamische Nummer mit Mastodon-typischen Trademarks und abschließend einem kurzen Classic-Rock-Gitarrensolo – und ein starker Einstieg.

 (2) The Motherload

Der hohe Gesang von Brann Dailor („This time .. this time…“) erinnert mich spontan irgendwie … an alte Queensryche (‚Revolution Calling‘)?? Das kommt gut, ist für Mastodon aber recht ungewohnt. Der Song geht gut ins Ohr, trotzdem gewinnt man den Eindruck, man lausche einer gänzlich anderen Band als noch zuvor auf The Hunter (von den anderen vier Alben davor ganz zu schweigen). Das muss nicht schlecht sein – es ist ungewohnt und unerwartet. Aber Mastodon haben ja bereits auf Crack The Skye überrascht. Warum nicht auch jetzt wieder? Die Gitarrensoli klingen ebenfalls anders als bisher, noch deutlicher in Richtung Classic Rock gebürstet. Insgesamt entfaltet der Song einen guten Flow, die Gitarren werden noch stärker als auf manchen Songs von The Hunter als  homogen-fließender Wall of Sound in Szene gesetzt, und wenn ich mich nicht täusche, ist mindestens im Schlussteil zur Unterstützung noch eine Hammondorgel mit im Untergrund aktiv, die dem Ganzen zusätzlichen warmen Feinschliff verleiht. Noch einmal angemerkt: Ich schreibe weitgehend assoziativ und begleitend um Er-Hören der Scheibe. Um eine kohärente Beurteilung des großen Ganzen geht es mir an dieser Stelle (noch) nicht. Das kommt erst später. Wie ich den Song insgesamt einschätze, lasse ich fürs Erste offen. Einerseits ist er ungewohnt, andererseits sagt mir irgendeine Intuition, dass es sich dabei möglicherweise um eines der Kernstücke des Albums handeln könnte, das mit der Zeit noch wächst. Also erst einmal weiter einhören in den Mastodon-Sound des Jahres 2014.

 (3) High Road

Interessant, wie sich der schon vorab ausgekoppelte Song im Kontext des Albums anders macht als beim Einzeln-Hören. Gegenüber ‚The Motherload‘ hauen die Troy-Sanders-Vocals und das Grundriff erst mal ordentlich in die ‚Spectrelight‘-Kerbe, lassen womöglich sogar dies und jenes aus der Leviathan-Phase anklingen (ohne freilich dieselbe Brachialität zu erreichen, dazu agiert man anno 2014 deutlich stärker mainstream-orientiert), im Chorus dominiert dann wieder der Klargesang Brann Dailors. Genial die Twin-Gitarrenpassagen im letzten Drittel, die ein warmes und dichtes 70er-Flair verbreiten, ohne aber altbacken zu wirken. Der Song endet mit dem Grundriff. Auch hier: eine gewöhnungsbedürftige Mischung, die die härteren (aber auch dort gegenüber den Vorgängerwerken bereits geglätteten) Parts von The Hunter mit exponiertem melodischen Klargesang und einer noch deutlicher herausgearbeiteten Classic-Rock-Schlagseite zusammenbringt.

 (4) Once More ‚Round The Sun

Endlich kommt mal Brent Hinds zum Zuge! Sein quäkendes Organ hat man irgendwie schon vermisst. Klingt wie eine Mischung aus ‚Divinations‘, ‚All The Heavy Lifting‘ und ‚Octopus Has No Friends‘. Plus eine Prise Rock’n’Roll. Der Song könnte den evolutionären Übergang von Album Nr. 4 Crack The Skye zu Album Nr. 5 The Hunter symbolisieren. Aber wir sind ja inzwischen bereits bei Album Nr. 6.

 (5) Chimes At Midnight

Spacig-getragenes Intro (Verloren im All? Fortsetzung von ‚Stargasm‘?), dann nervöse Gitarrenarbeit à la ‚Bedazzled Fingernails‘, darüber Troy Sanders (vielleicht all zu deutlich) im Stile von ‚Spectrelight‘. Im Chorus dann erneut Brent Hinds – und auch hier irgendwie wieder Anklänge an ‚All The Heavy Lifting‘ (Die Harmonik und Vocals von ‚All The Heavy Lifting‘ müssen der Band ganz offenbar als zentrale Stilelemente aus den Aufnahmesessions zu The Hunter im Ohr hängengeblieben sein…). Als Outro gibt es noch mal das Intro.

 (6) Asleep In The Deep

Interessanter, Pink-Floyd-inspirierter Beginn; mehrstimmiger Gesang über klassischer U2-Gitarre und treibendem Schlagwerk. Atmosphärisch bestechend und originell. Schließlich ein Chorus mit irgendwie irrem Wechselgesang zweier zweistimmiger Vokalfraktionen. Eine zugleich eigenartige wie faszinierende Nummer, die ich mir noch genauer werde anhören müssen. Irgendwo im Hintergrund der Pink-Floyd-artigen Parts gibt es ab und an auch ein Bläser-Synthie. „Atom Heart Mother“ fand ich schon immer klasse. ;) Und irgendwie hat der Song (vor allem gegen Ende) auch was Grungiges. Irgendwie. Überzeugt mich jedenfalls bereits beim ersten Hören.

 (7) Feast Your Eyes

Der Beginn erinnert mich an ‚Octopus Has No Friends‘, der Song insgesamt hätte auch auf Crack The Skye stehen können – z.B. als vierter Track zwischen ‚Quintessence‘ und ‚The Czar‘. Progressive Gitarrenarbeit trifft auf melancholische Heaviness. Wie es scheint, ist die neue Scheibe stilistisch irgendwo zwischen den beiden Vorgängeralben angesiedelt, zwar meist mit einem deutlicheren Ausschlag zugunsten The Hunter, aber dieser Track greift weiter zurück.

 (8) Aunt Lisa

Brann Dailors Stimme ist auf dem neuen Album auffällig präsent; als Mastodon-Ersthörer kann man den Eindruck gewinnen, es handele sich bei ihm um den eigentlichen Sänger der Band, während Brent Hinds und Troy Sanders hin und wieder auch mal einen Part beisteuern. Das liegt natürlich daran, dass Dailor die melodisch prägnanteren Parts singt und daher klarer heraussticht. Ich mochte seine Gesangsbeiträge auf den Vorgängeralben, insbesondere im Song ‚Crack The Skye‘, in dem gerade der Kontrast von Sludge- und Klarvocals einen wesentlichen Teil des Gänsehautfaktors ausmachte. Allerdings hat Dailors Stimme im Vergleich den Stimmen von Hinds und Sanders und gegenüber den Vorgängeralben den geringsten Wiedererkennungswert – will sagen: Hier wurde auf Once More ‚Round The Sun offenbar mit deutlich verändertem Effektinstrumentarium gearbeitet. Während Dailors Stimme bislang sehr effektiv als Akzent im Hintergrund wirkte, rückt ihn die Produktion dieses Albums (nicht nur in diesem Song) wie einen Leadsänger in den Vordergrund. Ob das live funktioniert, wenn der Herr zugleich mit seinen – zumeist recht fordernden – Drumparts beschäftigt ist? Zu ‚Aunt Lisa‘: Der Beginn erinnert mich an ‚Divinations‘, die New-Wave-Rhythmik an den Chorus von ‚Crack The Skye‘. Neben Dailor kommen auch die beiden anderen Sänger zum Zuge. Schräg, bei Mastodon absolut nicht erwartbar, aber irgendwie saucool, sind im Schlussteil die weiblichen Gangshouts „Hey ho – let’s fucking go / hey ho – let’s get up and rock and roll“ über traditionellem Metalriffing – ein Songabschluss ähnlich überraschend wie weiland das unglaubliche Slayer-Riffing in den letzten 20 Sekunden von ‚Burning Man‘ auf dem Debütalbum. Wenn die Shouts nicht mal als augenzwinkernde Remineszenz an Joan Jett (‚I Love Rock’n’Roll‘) gedacht sind … für mich als Kind der 80er sind sie das. Mastodon entwickeln hier den Soundkosmos des Crack-The-Skye-Titeltracks weiter. Könnte einer der Songs sein, die aus dem Album unterm Strich als Highlights herausstechen – auch deshalb, weil man, im Gegensatz zu anderen Songs der Scheiben, nicht zu eng an Songmustern des Vorgängers klebt, sondern auch Neues ausprobiert. Dazu gehören auch die deutlich dominanteren Gesangsparts von Brann Dailor – die, mit Blick auf das Album insgesamt, unter Mastodon-Traditionalisten sicherlich auf geteiltes Echo stoßen dürften.

 (9) Ember City

Treibendes, eher klassisches Metal-Riff mit Mastodon-typischen Koloraturen. Der Wechsel von Troy-Sanders-Strophe zu Klargesang-Chorus gestaltet sich ähnlich wie bei ‚High Road‘ – zugleich ist ‚Ember City‘ ein weiterer Song, der sich (aufgrund des dominanten Klargesangs) weit von dem entfernt, was man von Mastodon erwartet und gewohnt ist. Erneut lässt mich der hohe Gesang frühe Queensryche assoziieren (‚Spreading The Disease‘). Im Mittelteil wird ordentlich – dann wieder Mastodon-typisch – gerifft und gegroovt.

 (10) Halloween

Flotter, treibender Song mit Brent Hinds und Brann Dailor im Wechsel. Der Chorus ist erneut maximal Mastodon-untypisch, aber recht originell. Es gibt einige nette harmonische Wechsel im Riffing. Das ausgedehnte klassische Gitarrensolo weist ein paar (sicherlich augenzwinkernde) Poser-Koloraturen auf (vermutlich Brent Hinds). Das Spiel mit Stereoeffekten während des ausufernden Solos im Schlussteil erinnert an vergleichbare Passagen Led Zeppelins ‚Whole Lotta Love‘ und ist mit Sicherheit eine bewusste Remineszenz. Insgesamt einer der stärksten Songs des Albums, bei dem Brent Hinds endlich mal richtig gut zur Geltung kommt. (Mir liegt noch nicht die CD-Version mit den Songwriting-Credits vor, aber ich gehe stark davon aus, dass dieser Song deutlich Hinds‘ Handschrift trägt.)

 (11) Diamond In The Witch House

Düsterer Midtempo-Groove mit Troy-Sanders-Gesang, der mich in punkto Grundstimmung und Heaviness entfernt an die Strophen von ‚Crack The Skye‘ und ‚Ghost Of Karelia‘ erinnert. Ein Song ohne Klargesang von Brann Dailor und damit ein starker Kontrast zu den vorangegangenen Songs. Der Song nimmt über die Distanz von 7:30 Minuten nicht an Fahrt auf, sondern bleibt im Midtempo und zelebriert den bleischweren Zeppelin so eindrucksvoll wie zuletzt mit ‚Ghost of Karelia‘. Enorm starker Abschluss.

Erste, vorläufige Quintessenz:

Das stilistische Fundament von Once More ‚Round The Sun bilden die Trademarks, die man über die letzten beiden Alben entwickelt hat. Den Gesang ausgenommen, kann man dem Songwriting mindestens Stagnation auf (sehr) hohem Niveau, wenn nicht gar eine kohärente Weiterentwicklung der mit Crack The Skye und The Hunter beschrittenen Pfade bescheinigen. Einigen Einflüssen des Vorgängeralbums spürt man dabei stellenweise noch bewusster nach (Classic Rock, Pink Floyd), die stärkste Veränderung im Gesamtsound sind aber die an vielen Stellen Leadsänger-like in Szene gesetzten Vocals von Brann Dailor – deren Akzente ich auf den beiden Vorgängeralben sehr geschätzt habe und die hier nun vom Kontrastakzent zum dominanten Stilmerkmal weiterentwickelt werden. Auch das Songwriting ordnet sich dem unter und sieht an jeweils prominenter Stelle Passagen vor, die auf die Stimme von Brann Dailor zugeschnitten sind. Das führt unweigerlich zu einer insgesamt deutlich veränderten Gesamtsignatur, an der sich die Geister scheiden werden. Mastodon standen schon immer für Überraschungen und Weiterentwicklung – bei Album Nr. 6 wird der eine oder andere möglicherweise sogar „Mainstream“ schreien. Man kann von einer Band (und gerade von einer Band wie Mastodon) aber nicht erwarten, dass sie rückwärtsgerichtet agiert. So sehr sich mancher ein zweites Remission, Leviathan oder Blood Mountain wünschen mag: Könnte uns ein solches Album tatsächlich überzeugen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Daher sollte man (gerade) einer Band wie Mastodon zugestehen, sich kontinuierlich weiterzubewegen – auch wenn das Ergebnis unerwartet ist. Erwartungen zu erfüllen ist schließlich ebenfalls eine Art der Stagnation.

Die Zeit und wiederholtes Hören werden zeigen, wie sich die Songs auf Once More ‚Round The Sun für den Mastodon-affinen Hörer kohärent im Kontext des Gesamtwerks verorten lassen. Ein Reinfall ist die neue Scheibe beileibe nicht – gewöhnungsbedürftig schon. Und vielleicht gerade deshalb ein genialer Wurf. Die Zeit wird’s weisen.

Für mich heißt es nun: Zweite Runde
… oder auch: Once more ‚round Once More ‚Round The Sun! ;-)

Update: Etwa 20 Stunden später…

Nach meiner eher zurückhaltend-positiven ersten Einschätzung (s.o.) bin ich nun überzeugt, dass auch Once More ‚Round The Sun zu 100% Mastodon ist. Die Band hat sich weiterentwickelt – na und?! Oder anders ausgedrückt: Sie hat denjenigen Stil konsolidiert, mit dessen unterschiedlichen Facetten sie auf den Vorgängeralben verschiedentlich (auch dort schon genial) herumexperimentiert hat. Crack The Skye war ein Meisterwerk (keine Frage!), The Hunter in Anbetracht der neuen Scheibe wohl eher eine Zwischenstation, die wichtig dafür war, songdienlicher zu agieren. Man kann Once More ‚Round The Sun als Abschluss eines Dreischritts ansehen, an dessen Ende elf kompakte, atmosphärisch stimmige, songwriterisch disziplinierte Stücke griffigen Prog-Metals stehen, die sich stilistisch am besten dadurch charakterisieren lassen, dass man sie mit „Mastodon“ beschreibt. Denn das trifft es am präzisesten. Klar: Once More ‚Round The Sun ist stilistisch (meilen-)weit von Leviathan entfernt, und noch weiter von Remission. Aber auch Pink Floyd haben auf Dark Side of the Moon nich einmal mehr ansatzweise so geklungen wie auf Ummagumma oder Saucerful of Secrets. Es ist ein Trugschluss zu glauben, durch stilistische Weiterentwicklung würden stilistisch anders akzentuierte Frühwerke einer Band obsolet oder gar negiert. Im Gegenteil: Gerade durch die stilistische Weiterentwicklung funkeln die frühen Rohdiamanten um so faszinierender. Wo sich etwas bewegt und kreativ stets alles im Fluss ist, darf man im Laufe eines Bandlebens am meisten erwarten. Once More ‚Round The Sun überrascht – und steht dennoch für eine kontinuierliche Entwicklung (inklusive neuer Elemente, an die man sich gewöhnen muss, die aber kohärent ins Bild passen). Ich habe überhaupt kein Problem damit, auch weiterhin Remission und Leviathan zu hailen – und zugleich Once More ‚Round The Sun abzufeiern. Denn DAS (alles) ist MASTODON.

P.S.: Kleine Screenshot-Dokumentation meiner spontanen Anmerkungen zum soeben erfolgten neuerlichen Durchlauf der Scheibe.: ^^

Der Mastodon-Monolog

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