Was glücklich macht: Bombus, The Poet and the Parrot (Century Media/Universal, 2013)

bombusDieses Album kommt auf den ersten Blick, vor allem soundtechnisch, im Stoner-Gewand daher, wurzelt aber wenn nicht knie-, dann zumindest knöcheltief in der frühen New Wave of British Heavy Metal, als Hardrock und Punk kongenial fusionierten. Zunächst einmal wurden die Hawkwind-Spacerock-Abfahrten des Debuts deutlich zurückgefahren zugunsten eines knackigeren, rock’n‘rolligeren Grundansatzes, der immer mal wieder frühe Motörhead als Referenz durchscheinen lässt. Die Hooks lassen hier und da frühe Maiden anklingen, vereinzelt finden sich sogar Twin-Leads in bester Lizzy-Manier. Bisweilen erinnert (mich) das (entfernt) an das Nucleus-Album von Dawnbringer (eines meiner persönlichen Top-10-Alben der letzten fünf Jahre). Während Dawnbringer riff- und hooktechnisch die Apotheose der frühen NWOBHM (vor allem Maiden) aber sehr explizit betreiben, bleiben die entsprechenden stilistischen Symbole bei Bombus mehr Verweis und Zitat als konzeptuelle Folie und Fundament: Bombus haben, das muss betont werden, einen sehr eigenständigen, ausgereiften, in sich stimmigen und originellen Gesamtansatz, zu dem sich kaum direkte Vergleiche ziehen lassen. Wenig informativ (für mich auch nur bedingt nachvollziehbar) sind die bemühten Vergleiche in einschlägigen Rezensionen wie etwa (sinngemäß) „Mastodon, die ihre alten Entombed-Platten wiederentdeckt haben“ oder „Motörhead gekreuzt mit Entombed und Venom“. Das alles trifft es bestensfalls ansatzweise, denn das Ergebnis geht, wenngleich gewisse Stilelemente der benannten Bands fraglos vorhanden sein mögen, in punkto Sound und Gesamteindruck dann doch in eine sehr eigene Richtung: Bombus zelebrieren einen warmen Stoner-Sound mit fließendem, kaum über Midtempo hinausgehenden Groove, manch überraschender harmonischer Wendung und einer coolen Bassarbeit (die man eindrucksvoll z.B. in der zweiten Hälfte des Titelstücks nachhören kann). Der (durchgängig gedoppelte) Gesang oszilliert irgendwo zwischen dem jungen Herrn Kilmister, frühen Mastodon und Chris Black (Dawnbringer). Auch wenn hin und wieder mal in schönster „Overkill“-Tradition Druck gemacht wird (etwa im Opener „Enter the Night“ und in dem vorab als Single veröffentlichten „Apparatus“) so ist der überwiegende Teil des Materials eher getragen, wuchtig und erhaben, in gewisser Weise sogar hymnisch. Der Ansatz beim Songwriting mag dabei auf den ersten Blick simpel anmuten, bei näherem Hinhören finden sich aber zahlreiche originelle Details und überraschende Wendungen, die einem – ja, genau! – unwillkürlich ein beseeltes Grinsen ins Gesicht zaubern. Hat man sich einmal in den Ansatz der Band eingehört (bei mir hat es nicht sofort „Klick“ gemacht – ab Mitte des zweiten Durchlaufs dann aber doppelt), entfaltet das Album enormes Suchtpotenzial und – macht glücklich (So einfach kann das manchmal sein!).

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Hardrock, Heavy Metal, NWOBHM, Stoner Rock

3 Antworten zu “Was glücklich macht: Bombus, The Poet and the Parrot (Century Media/Universal, 2013)

  1. amonfang

    Nach dem das Erstanhören bei mir Skepsis verursacht hat – wird die Scheibe nach mehrmaligem Durchlauf immer besser! Vor allem der sehr gelungene Titelsong, Apparatus, Enter the Night und Liars erfreuen den Gehörgang. :-)

  2. Pingback: Was WAR und IST und WIRD: ein Blick zurück voraus (Rückblick 2013) | imploding thought

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