God save the … nein, halt: Die neue Single von Mustasch („Feared and Hated“, Gain/Sony Music, 2013)

Mustasch, Feared and HatedAm vergangenen Mittwoch ist Mustaschs Beitrag zur Eröffnung der Weihnachtszeit erscheinen – mag man meinen, wenn man die Single „Feared and Hated“ zum ersten Mal hört und zunächst mit sechzehn Takten zweistimmigen „Ah-ahs“ im betulichen Tempo begrüßt wird. Maria und Josef!, ist man spontan versucht auszurufen, wo sind sie nur hin, der Mustasch-typische Biss und das Löwengebrüll aus „Mine“ und Consorten?

Keine Bange: Der Schein trügt. Stille Nacht geht anders, und das Intro des Songs führt zunächst augenzwinkernd aufs (winterliche) Glatteis. Auch wenn sich das Intro erst nach vollständiger Erschließung des Songs kohärent in den Gesamteindruck fügt (eigentlich eine recht originelle Anspielung auf unsere linearen Hörgewohnheiten), so ist die Single „Feared and Hated“, vorab ausgekopppelt aus dem am 15.01. erscheinenden neuen Album „Thank You For The Demon“ alles andere als ein besinnlicher Weihnachtsschunkler. Er ist aber auch nicht zu 150% das, was man von Mustasch nach den letzten beiden – großartigen – Alben „Mustasch“ (2009) und „Sounds Like Hell Looks Like Heaven“ (2012) erwartet hätte, nämlich keine Fortschreibung des bewährten Stils mit neuen Riffs, sondern kann durchaus als eine Erweiterung des stilistischen Repertoires der Band angesehen werden – ob nur für diesen einen Song oder für das gesamte kommende Album, wird im Januar herauszufinden sein. Gerade das macht diesen Song als Teaser so gut.

Zur Beruhigung sei vorweggeschickt: Was Mustasch mit „Feared and Hated“ unternehmen, entfernt sich keineswegs meilenweit von dem, wofür die Band steht; statt dessen werden aus der ureigenen Kernkompetenz der Band – einem Händchen für knackige Riffs und sich unmittelbar ins Ohr groovende Songs sowie der unverwechselbaren Stimme von Ralf Gyllenhammar – neue Facetten herauspräpariert, die man nicht unbedingt erwartet hätte, die aber, so sie nun als Song vorliegen, durchaus Sinn ergeben und zu gefallen wissen. Die  Bezugspunkte heißen dabei weniger Dio, Black Sabbath und Danzig, als vielmehr – man staune! – Queen, Uriah Heep und Thin Lizzy. Das zeigt sich in mehrstimmigen Gesangsharmonien (Queen, Heep), das zeigt sich in einem Strophen-Riff mit vorwärtspreschendem Drumming im Stile von „Keep Yourself Alive“ oder „Headlong“ (Queen), das zeigt sich in Twin Leads à la Lizzy, die in der Wiederholung zu Triple Leads à la Brian May gesteigert werden. Über all dem: Gyllenhammar, mal gehetzt vorwärtsshoutend (wie man das von ihm kennt), mal mit sich selbst im Duett oder gegenläufig harmonierend (Chorus), das Ganze mit einem Charme vorgetragen, der – ohne Gotteslästerung betreiben zu wollen – in manchen Augenblicken zwar nicht der stimmlichen Brillanz, aber durchaus dem Charme Freddie Mercurys aufregend nahe kommt. Auch die dezent narzisstisch angehauchten Lyrics (die Gyllenhammar stets mit einem Augenzwinkern in der Stimme vorträgt) lassen den Geist von Freddie assoziieren, was man als warmherzige Hommage oder eben auch als originell transformierte stilistische Anleihe bei einer der ganz großen Referenzbands des Progressive Rock werten kann.

Das ist toll, das ist überraschend, und das ist – hat man erste Irritationen überwunden – ungemein überzeugend und mitreißend. „Feared and Hated“ macht Lust aufs kommende Album. Enorme Lust.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Hardrock, Heavy Metal, Rock, Rock'n'Roll

Eine Antwort zu “God save the … nein, halt: Die neue Single von Mustasch („Feared and Hated“, Gain/Sony Music, 2013)

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