Schlagwort-Archive: Lemmy

Alive and kicking (ass): Motörhead, Aftershock (UDR/EMI, 2013)

MotörheadIch muss gestehen, dass ich an das neue Motörhead-Album keine großen Erwartungen hatte. Genau genommen hatte ich mich auf eine Enttäuschung eingestellt. Nach dem großartigen Motörizer (2008) hatte mich das 2010 rausgehauene The Wörld Is Yours eher enttäuscht. Da in 2010 sowohl das 35-jährige Bandjubiläum als auch Lemmys 65. Geburtstag anstanden, musste wohl um jeden Preis ein neues Album her, um diese Ereignisse auch diskographisch zu zelebrieren. Das Ergebnis war nicht wirklich schlecht, produktionstechnisch fraglos ohne Tadel, in punkto Songwriting aber über weite Teile bestenfalls Motörhead-Durchschnitt, mehr mäßig motivierte Wiederauflage nur allzu bekannter Trademarks (teilweise bis hin zum Selbstzitat) als ein Meilenstein im Portfolio der beiden Rock’n’Roll-Institutionen die es damit zu würdigen galt. Lemmys Gesang mutete über weite Strecken eher lustlos und kurzatmig an. Kein Glanzlicht also, für mich bis heute eines der am seltensten gehörten Alben der gesamten Motörhead-Historie.

Dass ich nicht umhin komme, mich in diesem Blog zum neuen Motörhead-Album zu äußern, war in Anbetracht der vielen Jahre, die mich diese Band inzwischen begleitet (Nö Sleep ’til Hammersmith war eine meiner ersten für eigenes Geld erworbenen Schallplatten), schon lange klar. Angesichts der ernsten gesundheitlichen Probleme, mit denen sich Mr. Kilmister in den letzten Monaten herumzuschlagen hatte, befürchtete ich aber, dass vom neuen Album, wie schon vom Vorgänger, erneut keine Höchstleistungen zu erwarten sein dürften, da Exzellenz, gerade im Künstlerischen, ja gemeinhin am besten in weitgehender Unabhängigkeit von äußeren Widrigkeiten gedeiht. Entsprechend hatte ich mich bereits darauf eingestellt, wohl eher einen Abgesang auf frühere Großtaten denn eine ernsthafte Würdigung des aktuellen Werks schreiben zu müssen.

Aber oho – weit gefehlt! Das neue Album ist zwar sicherlich nicht das beste Album in der Motörhead-Diskographie (Das kann ja auch niemand ernsthaft erwarten), aber weit besser als im Vorfeld anzunehmen war. Präziser ausgedrückt: Aftershock ist erstaunlich gut und schließt an die Klasse von Motörizer (2008) sowie seiner beiden Vorgänger Kiss of Death (2006) und Inferno (2004) an. Darüber hinaus dürfte es sich um eines der stilistisch vielseitigsten Alben der Bandgeschichte handeln. Konservative Motörheadisten brauchen aber nicht zu befürchten, Holy Lemmy und seine Crew hätten sich von ihren gewohntren Trademarks entfernt: Adenauers Slogan aus dem Bundestagswahlkampf 1957 „Keine Experimente!“ lässt sich problemlos auch diesem Album als Motto aufprägen; und dennoch ist die Scheibe erfrischend abwechslungsreich, was darauf zurückzuführen ist, dass einzelne Songs mal den einen, mal den anderen Eckpfeiler des charakteristisch-unnachahmlichen Motörhead-Sounds besonders akzentuieren und zur Geltung bringen.

Nach mehreren Hördurchläufen halte ich im Folgenden zu einigen der insgesamt 14 Songs erste (natürlich subjektiv geprägte) Eindrücke fest. Dabei ergibt sich bereits ein guter Umriss dessen, was das Album auszeichnet (s. Fazit):

  • DUST AND GLASS: Ein nachdenklicher Blues mit wohltuend zurückgenommener Instrumentiertung, ein wenig im Stile des Steppenwolf-Klassikers „The Pusher”, aber mit einem sehr smoothen Lemmy am Gesang. Erinnert mich mit seiner melancholischen Grundhaltung an „Lost in the Ozone“ und „Devils“ vom Bastards-Album, zwei meiner persönlichen Favourites im Motörhead-Gesamtwerk. Für mich ganz klar eines der großen Highlights des Albums – weil es die Tradition der (mal mehr, mal weniger originellen) ruhigieren Nummern im Motörhead-Schaffen fortsetzt – und weil ich einen Song dieser Art nicht unbedingt auf dem neuen Album erwartet hätte. Der Song beweist (zumindest mir) einmal mehr: Lemmys Vortrag ist insbesondere dann besonders eindringlich, wenn er sich zurücknimmt. Im Gegensatz zu früheren Songs, in denen Lemmys Gesang – als Stilmittel – brüchig daherkommt, tritt er hier sehr sanft auf, was das dem Ganzen einen noch verletzlicheren und zugleich abgeklärten, fast magischen, Duktus verleiht: Knapp drei Minuten Quintessenz einer gesamten Lebenserfahrung, das ist es, was der Gesang vermittelt. Das ist, in seiner ganzen Einfachheit, ganz große Klasse. Und dass Mr. Kilmister ein großer Freund des traditionellen Rhythm’n’Blues ist, ist ja hinlänglich bekannt (Ich erinnere mich an Interviews, in denen er andeutete, dass er, würden seine Mitstreiter ihn nur lassen, sowieso viel stärker in die Bluesrichtung gehen würde.)
  • LOST WOMAN BLUES ist – der Titel ist Programm – ebenfalls eine schöne Slow-Blues-Nummer, die im Gegensatz zu „Dust and Glass“ aber mit einer fetteren Instrumentierung aufwartet und dadurch sehr heavy und erdig ist; „Iron Horse“ lässt grüßen. Im Schlussteil wird dann ordentlich Gas gegeben, Assoziationen zum „Roadhouse Blues“ der Doors sind sicherlich nicht verkehrt.
  • END OF TIME ist ein schneller Blues, der als Reminsezenz an eigene Klassiker im Stile von „Stay Clean“ und „No Class“ durchgehen kann. Insbesondere die Strophe mit ihrer treibenden Gitarrenarbeit ist sehr gefällig und schreit geradezu nach rhythmischem Kopfnicken. Die Gitarre wirkt durchgängig wie locker aus der Hüfte geschossen. Klassikerzitat hin oder her, diese Nummer ist obercool. Man muss sich ja nicht immer neu erfinden, sondern kann auch Bewährtes variieren, wenn es nur überzeugend dargeboten wird – und hier ist das definitiv der Fall. „Rock Out“ vom Motörizer-Album lässt grüßen.
  • QUEEN OF THE DAMNED hingegen ballert einem zwar einen Ace of Spades-artigen Einstieg vor den Latz, ist aber in punkto Songwriting (v.a. was die wenig originellen Gesangslinien betrifft) ziemliche Motörhead-Stangenware. Schade irgendwie. Die stellenweise an „Damage Case“ erinnernde Gitarrenarbeit von Phil rettet den Song letztlich aber über den Durchschnitt, ist ordentlich dreckig-spritzig und macht angenehm Druck.
  • SILENCE WHEN YOU SPEAK TO ME: Die Songs aus der mittleren Phase der Band, in denen Lemmy mit sich selbst im Duett singt, habe ich meist gemocht. „Silence“ erinnert mit mit seinem dominanten, wummernden Bass zu gleichen Teilen an „Overnight Sensation“ (ebenfalls einer meiner Favourites im Motörhead-Backkatalog) und an „Love Me Like a Reptile“ von der Ace of Spades. Sehr überzeugende Nummer.
  • CRYING SHAME rockt munter drauf los und verweist erneut in die Overnight Sensation-Zeit zurück (vergleiche „Listen to Your Heart“). Das Piano im Refrain weckt freudige Erinnerungen an „Going to Brazil“ sowie an den einen oder anderen Stones-Klassiker.
  • Das ebenfalls munter rockende DO YOU BELIEVE schlägt in dieselbe stilistische Kerbe und erinnert an „Don’t Waste Your Time“ vom Sacrifice-Album (nur ohne Piano). Die Nummer ist nicht unbedingt ein Highlight der Platte, läuft aber fraglos gut rein. Erneut gibt es coole Soli von Phil.
  • KEEP YOUR POWDER DRY schließlich positioniert sich zwischen den Rolling Stones und (!) AC/DC. Gitarrensound und Riff könnten problemlos als Previously Unreleased Track aus den Aufnahmesessions zu High Voltage durchgehen. Der Schluss des Songs ist sogar ein direktes AC/DC-Zitat. Erfrischend launig und partytauglich!

FAZIT:

Aftershock ist ein Album, das im Gesamteindruck 100% Motörhead bietet und das zugleich als eine reflektierte Rückschau über das bisherige Gesamtoeuvre gehört werden kann, insofern stärker als je zuvor die verschiedenen stilistischen Einflüsse, die die Band schon immer ausgezeichnet haben, herausgearbeitet und nebeneinandergestellt werden. Eine vergleichbare Variationsbreite – zumindest annähernd – findet sich höchstens auf den beiden Früh-90er-Releases 1916 und Bastards. Kann man Aftershock also als reflektiertes Alterswerk bezeichnen? Man wird sehen, was noch kommt. Reflektiert mit Sicherheit, alt aber bestimmt nicht: Dafür rocken Motörhead 2013 (erfreulicherweise wieder) frischer als zuvor. Und so soll es sein. The creature lives – bleibt nur zu wünschen, dass Lemmy rasch wieder voll auf die Beine kommt, um die eine oder andere Perle des neuen Albums bald auch live unter Volk zu bringen – getreu bewährtem Motto:

„We are Motörhead – and we’re gonna kick your ass!”

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Blues, Hardrock, Heavy Metal, Rock'n'Roll

Was glücklich macht: Bombus, The Poet and the Parrot (Century Media/Universal, 2013)

bombusDieses Album kommt auf den ersten Blick, vor allem soundtechnisch, im Stoner-Gewand daher, wurzelt aber wenn nicht knie-, dann zumindest knöcheltief in der frühen New Wave of British Heavy Metal, als Hardrock und Punk kongenial fusionierten. Zunächst einmal wurden die Hawkwind-Spacerock-Abfahrten des Debuts deutlich zurückgefahren zugunsten eines knackigeren, rock’n‘rolligeren Grundansatzes, der immer mal wieder frühe Motörhead als Referenz durchscheinen lässt. Die Hooks lassen hier und da frühe Maiden anklingen, vereinzelt finden sich sogar Twin-Leads in bester Lizzy-Manier. Bisweilen erinnert (mich) das (entfernt) an das Nucleus-Album von Dawnbringer (eines meiner persönlichen Top-10-Alben der letzten fünf Jahre). Während Dawnbringer riff- und hooktechnisch die Apotheose der frühen NWOBHM (vor allem Maiden) aber sehr explizit betreiben, bleiben die entsprechenden stilistischen Symbole bei Bombus mehr Verweis und Zitat als konzeptuelle Folie und Fundament: Bombus haben, das muss betont werden, einen sehr eigenständigen, ausgereiften, in sich stimmigen und originellen Gesamtansatz, zu dem sich kaum direkte Vergleiche ziehen lassen. Wenig informativ (für mich auch nur bedingt nachvollziehbar) sind die bemühten Vergleiche in einschlägigen Rezensionen wie etwa (sinngemäß) „Mastodon, die ihre alten Entombed-Platten wiederentdeckt haben“ oder „Motörhead gekreuzt mit Entombed und Venom“. Das alles trifft es bestensfalls ansatzweise, denn das Ergebnis geht, wenngleich gewisse Stilelemente der benannten Bands fraglos vorhanden sein mögen, in punkto Sound und Gesamteindruck dann doch in eine sehr eigene Richtung: Bombus zelebrieren einen warmen Stoner-Sound mit fließendem, kaum über Midtempo hinausgehenden Groove, manch überraschender harmonischer Wendung und einer coolen Bassarbeit (die man eindrucksvoll z.B. in der zweiten Hälfte des Titelstücks nachhören kann). Der (durchgängig gedoppelte) Gesang oszilliert irgendwo zwischen dem jungen Herrn Kilmister, frühen Mastodon und Chris Black (Dawnbringer). Auch wenn hin und wieder mal in schönster „Overkill“-Tradition Druck gemacht wird (etwa im Opener „Enter the Night“ und in dem vorab als Single veröffentlichten „Apparatus“) so ist der überwiegende Teil des Materials eher getragen, wuchtig und erhaben, in gewisser Weise sogar hymnisch. Der Ansatz beim Songwriting mag dabei auf den ersten Blick simpel anmuten, bei näherem Hinhören finden sich aber zahlreiche originelle Details und überraschende Wendungen, die einem – ja, genau! – unwillkürlich ein beseeltes Grinsen ins Gesicht zaubern. Hat man sich einmal in den Ansatz der Band eingehört (bei mir hat es nicht sofort „Klick“ gemacht – ab Mitte des zweiten Durchlaufs dann aber doppelt), entfaltet das Album enormes Suchtpotenzial und – macht glücklich (So einfach kann das manchmal sein!).

3 Kommentare

Eingeordnet unter Hardrock, Heavy Metal, NWOBHM, Stoner Rock

Sodom, Epitome of Torture (Steamhammer, 2013)

sodom-epitome-of-torture-cover-artwork„Die neue Sodom“ ist da – und das Metal-Feuilleton fragt sich, was ihm wohl ins Haus stehen mag: Stagnation auf hohem Niveau (aka „In War and Pieces pt. II“)? Ein bloßes Pflichtalbum? Flüssiger Stahl an Ruhrgebiets-Romantik? „Das Ohr ist der Weg“, befand weiland bereits Jazz-Papst Joachim-Ernst Berendt. Hören wir also, und verschaffen wir unseren Ohren ein erstes Bild:

MY FINAL BULLET: Starker, kraftvoller Opener mit akustischem Intro und einer typischen Sodom-Strophe, die leicht an KNARRENHEINZ vom Vorgängeralbum erinnert, sich dann aber zu einem „Hey hey hey, hier kommt Alex“-haften Mitgröl-Refrain steigert. Zwischendurch gibts einen kleinen progressiven instrumentalen Mittelteil mit Gitarrensolo, in dessen zweiter Hälfte – oha! – ein erster Maiden-esker Melodieverlauf anklingt. Insgesamt ein erstklassiger Dosenöffner, der live sicherlich zum mächtigen Stimmungskracher avancieren dürfte. Die verschiedenen Stilelemente, die in diesem Song zusammenfinden – klassische Sodom-Trademarks und Power-Metal-Elemente – können, wie noch zu zeigen sein wird, als programmatisch für das gesamte Album „gelesen“ werden. Auf den nachfolgenden beiden Tracks erschließt sich das einem aber (erst mal) noch nicht:

Der selbstbetitelte Song S.O.D.O.M. ist vom Grundkonzept her eher Sodom-Stangenware – allerdings mit einem sympathischen Punk-Einschlag und einem geshouteten Refrain, bei dem der Song richtig zündet (und der live sicherlich krachen dürfte). Der Song hat was, fällt gegenüber dem tollen Opener trotzdem etwas ab.

Der Titeltrack EPITOME OF TORTURE hätte stilistisch auch auf den Vorgänger „In War and Pieces“ gepasst (Marke HELLFIRE, aber nicht ganz so kompakt zündend) – wäre dort dann aber tendenziell einer der schwächeren Songs gewesen. Klar: Der Song hat trotzdem noch einiges an Power. Nach bisherigem Stand meines Höreindrucks ist dies aber derjenige der insgesamt zehn Songs, der nach mehrfachem Durchhören am unauffälligsten bleibt.

Track Nr. 3 STIGMATIZED ballert, wenn man sich mal an Toms Death-Metal-Growls gewöhnt hat, was das Zeug hält und mit großem Kaliber auf alles, was Gehirnmasse ist und ist brutaler klassischer Sodom-Thrash im prototypischsten Sinne. Schöne Nummer – die schätzen zu lernen bei mir aber diverse Durchläufe gebraucht hat (Der Song war ja bereits vorab veröffentlicht; insofern kannte ich ihn schon vorher; entsprechend waren meine Erwartungen an das neue Album – zunächst – eher moderat). Der Song knallt richtig – für Überraschungen sorgen auf dem Album dennoch andere Stücke.

CANNIBAL: simpel gestrickt, aber ungemein wirkungsvoll, in etwa so wie eine Splittergranate. Der Song verweist stilistisch deutlich zurück auf das letzte Album (v.a. auf dessen Titeltrack) – und ich habe ja wiederholt betont, dass ich „In War and Pieces“ bislang für das kaum toppbare Meisterwerk der Band halte (ungeachtet der Tatsache, dass Herr Angelripper in diversen Interviews zum neuen Album betont hat, das letzte Album sei vom Sound her zu metalcore-mäßig und überproduziert gewesen).

SHOOT TODAY – KILL TOMORROW haut in etwa dieselbe stilistische Kerbe und erinnert im Refrain sehr deutlich an STORM RAGING UP, einen meiner absoluten Favourites auf dem vorigen Album. Wie ich dem Legacy-Interview zur neuen Scheibe entnehme, singt Tom an einer Stelle dieses Songs (die man heraushört) durch ein 2 Meter langes Abwasserrohr. ;)

INVOCATING THE DEMONS: Der Song könnte – wenn man sich den Gesang wegdenkt – fast ein Maiden-Song sein (man vergleiche, was Gitarre + Rhythmusgruppe im Intro und im Refrain machen, mal bitteschön mit „Two Minutes to Midnight“ sowie mit Songs von der „A Matter of Life and Death“-Scheibe). Geiler Song: Maiden-typischer Groove meets Angelripper. :-)

Ebenfalls sehr überraschend wie überzeugend: Das außergewöhnlich melodische INTO THE SKIES OF WAR, das sich unmittelbar im Ohr festsetzt und erneut eher im Power-Metal- als im Thrash-Genre anzusiedeln ist. Auch hier winken Gitarre und Rhythmusgruppe – gerade im Refrain – erneut heftig in Richtung Maiden (die Gitarre in Richtung Adrian Smith).

KATJUSCHA ist knackiger Thrash mit Folklore-Einschlag und nimmt auf dem Album in etwa die Rolle ein, die auf anderen Sodom-Alben die jeweils einzeln vertretenen deutschsprachigen Songs hatten. Ein schneller Thrasher, der aber mit dem Titeltrack EPITOME OF TORTURE das Schicksal teilt, zu sehr Standard zu sein und daher gegenüber dem Rest des Albums eher unauffällig zu bleiben.

TRACING THE VICTIM: Ein typisches Adrian-Smith-Intro, dann eine typische, simple wie effektive, Sodom-Strophe, gefolgt von einem Refrain, in dem Angelripper mit sich selbst einen (für seine Verhältnisse) harmonischen (!) Wechselgesang anstimmt – was zum Teilen an FROM HERE TO ETERNITY von Maiden und zu Teilen an so manche der melodischeren Motörhead-Sachen kennt, in denen Lemmy mit sich selbst im Duett singt. ;-) Sehr geil, gerade weil nach der Standard-Strophe unerwartet melodisch und sich steigernd! Ein guter Rausschmeißer.

Nach mehrfachem Hören muss ich sagen, dass meine erste Skepsis, das Album könne gegenüber dem Vorgänger zu stark abfallen, verflogen ist. Klar: „In War and Pieces“ war ein Meisterwerk – und dennoch hat das neue Album seinen besonderen Reiz und lässt sich letztlich mit dem Vorgänger gar nicht wirklich gut vergleichen. Während das vorige Album in punkto Sound, Brutalität und schierer Power aus einem Guss war, ist das neue Album vielseitig, aufgrund der teilweise deutlichen Orientierung in Richtung Power Metal in einigen Songs sogar von einer durchaus positiven musikalischen Grundstimmung, an anderer Stelle (STIGMATIZED) dann aber auch wieder derber als der Vorgänger.

Insgesamt verhält sich dieses Album zu seinem Vorgänger somit ähnlich wie Kreators Letztling „Phantom Antichrist“ zum Vorgänger „Hordes of Chaos“: Während „Hordes of Chaos“ durch Kompaktheit, Einheitlichkeit und Ehrfurcht gebietende Gewalt besticht, ist „Phantom Antichrist“ verspielter, melodischer, z.T. experimenteller, so dass BEIDE Platten ihre Daseinsberechtigung haben, ohne den Vergleich mit der jeweils anderen fürchten zu müssen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Sodom, Thrash Metal