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Live-Review: Red Fang, The Shrine, Lord Dying (Köln, Essigfabrik, 14.03.2014)

Red Fang, The Shrine, Lord Dying live @ KölnAm 14.03.2014 gastierten RED FANG, THE SHRINE und LORD DYING für das Eröffnungskonzert des 2. Teils ihrer Europatournee in der Kölner Essigfabrik. Ich war für das Legacy-Mag vor Ort und ließ mich begeistern:

Zum Artikel:
RED FANG, THE SHRINE, LORD DYING @ Köln, Essigfabrik – 14.13.2014
(Legacy „Live Zone“)

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Black Tusk, Tend No Wounds (Relapse, 2013)

blacktuskVorab: Schön, dass mit Black Tusk eine weitere Band das EP-Format für eine zeitgemäße Demonstration ihrer Kunst nutzen. In Zeiten digitaler Song-by-Song-Downloads, in denen Full-Length-Alben nur dann Sinn machen, wen man tatsächlich auf Albumlänge etwas mitzuteilen hat, bietet die EP ein interessantes Format, um kompakt – aber deutlich über Single-Länge – einen Eindruck vom aktuellen Entwicklungsstand des eigenen künstlerischen Schaffens oder einfach nur eine Momentaufnahme dessen zu bieten, wozu man gerade Lust hatte.

Und davon bieten Black Tusk auf „Tend No Wounds“ eine ganze Menge: Die Scheibe ist kompakt, ist schnörkellos, klingt wie aus einem Guss und – bis auf das unerwartete Cello-Intro zu „The Weak and the Wise“ – nach der Methode „Jungs, kommt rüber, ich habe Bier da, lasst uns ein paar Songs jammen und aufnehmen, hallodaseidihrjaschon, ab in die Garage, Stecker rein und los!“ erarbeitet. Die Scheibe ist eine Midtempo-Groovewalze, die fast gänzlich – naja, gänzlich – auf Schnörkel oder sonstige virtuose Kapriolen verzichtet, dafür mit einem Gitarrensound aufwartet, der direkt aus dem Sumpf geschöpft ist, der schwül, schlammig, schweren Kopfes, mit schweißnassem Shirt und sechzehn Tequilas zu viel im Hirn gegen drückende Hitze und träge Moskitoschwärme ansägt – „swamp metal“, wie es die Band selbst einmal genannt hat. Die Kompositionen klingen durchweg nach Jam und – dies für alle, die hier Musik für den verkopften Informationszeitaltergenossen von heute erwarten – alles andere als „Ich setz mich jetzt mal an mein Klavier oder meine Akustische und denk mir ein paar feine, durchdachte Liedchen mit dazugehörigen Präludien, Bridges und Tempowechseln aus, notiere diese feinsäuberlich im Partitursatz auf büttengeschöpftem Notenpapier, entlocke dazu dann noch in einer inspirierten Stunde bei Kerzenschein meinem komplizierten Gehirn ein paar wohltemperierte Zeilen, möglicherweise gar ein Sonett, – dann nehme ich dazu ein Demo auf, und am Ende arrangier ich das mit den anderen hochgradig komplexen Jungs zu einem trefflichen Stück Tonkunst, das auf verschiedenen Bewusstseins- und Strukturebenen unerschöplich aufs Neue zu Interpretationen und Deutungen einlädt!“.

Das alles gibt es bei Black Tusk nicht. Dafür: ein Bekenntnis dazu, dass man andere auch dadurch glücklich machen kann, indem man ihnen eine simple Struktur in gemächlicher Gelassenheit, aber mit der größtmöglichen Wucht und Selbstverständlichkeit in die Gehirne hämmert. Das Ausreizen einfachster Riffs gepaart mit zum Maximum aufgedrehter Distortion erreicht in einigen Passagen der Scheibe nahezu Drone-Qualitäten, wird dabei aber nie abgehoben, sondern bleibt stets auf ein aufs Notwendigste reduziertes Rock- und Hardcore-Fundament zementiert. Hier gibt es nichts, aber auch gar nichts (also rieng! nada!), was auch nur im Ansatz als „progressiv“ (miss-)interpretiert werden könnte; nicht einmal am Rande lassen Black Tusk irgendwelche songwriterisch kühnen Ambitionen erkennen. Ihre sporadischen Tourkollegen von Red Fang haben das Trio aus Savannah mal als „echte Road Dogs“ bezeichnet – und genau das ist es, was die EP „Tend No Wounds“ so geil macht: ihre Ungestümheit, ihre Unmittelbarkeit, das Erdige und vollständig Anti-Artifizielle, das Ganze vorgetragen mit einer derart relaxten Attitüde, wie sie sich vermutlich nur nach vier Wochen im Minivan on the road mit nur einer einzigen Dusche (am Anfang) und maximal zwei Shirts, dafür einigen hundert Dosen Bier im Gepäck erwerben lässt. Entsprechend lassen die Songs auf „Tend No Wounds“ vollgestopfte, winzige, verschwitzte Clubkeller assoziieren, in denen Band und ergebenes Publikum interaktiv subtropisches Klima und hemmungsloses Ausrasten zelebrieren.

  • Anspieltipp: alles (Einen Komplett-Stream der EP gibt es hier).
  • Zum Einstieg ins Oeuvre: alles (inklusive der Vorgängeralben „Set the Dial“ und „Taste the Sin“).
  • Wenn’s mal ganz schnell gehen muss: Der letzte Track der EP, „In Days of Woe“, der einen guten Eindruck vom Gesamtbild vermittelt und der bereits vorab im Netz veröffentlicht wurde (hier beziehungsweise hier).

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