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Was WAR und IST und WIRD: ein Blick zurück voraus (Rückblick 2013)

2013Was bleibt hängen aus einem Jahr mal mehr, mal weniger konzentrierter Beobachtung der gitarrenorientierten Musikszene? Welche Alben oder Songs, die einen direkt nach Erscheinen umgehauen haben, erweisen sich auch auf längere Sicht als langlebig, welche Veröffentlichungen hat man unterschätzt, was ist – wissentlich oder unwissentlich – an einem vorbeigegangen und welche Releases entpuppten sich subjektiv betrachtet als Strohfeuer mit zunächst großem Initialeffekt, aber letztlich doch eher kurzer Halbwertszeit?

Mein persönliches Album des Jahres ist ohne Zweifel „Pelagial“ von THE OCEAN. Auch DEFEATERs „Letters Home“, dessen Erscheinen ich sehr entgegengefiebert hatte, rangiert weit oben in meiner Alben-für-die-Insel-Liste für das Jahr 2013. Da ich mich zu beiden Releases bereits ausführlich hier und hier geäußert habe, will ich sie nicht erneut in derjenigen epischen Breite zelebrieren, die ihnen zweifelsohne zusteht, sondern mich an dieser Stelle denjenigen Alben zuwenden, zu denen ich über die Monate immer wieder mal „unbedingt noch was schreiben wollte“, die in diesem Blog dann aber doch – unverdientermaßen und meistens aus Zeitgründen – unberücksichtigt geblieben sind. Alben, die im vergangenen Jahr bereits mit eigenen Blog-Einträgen gewürdigt wurden (BOMBUS, MOTÖRHEAD, TWILIGHT OF THE GODS, PHIL ANSELMO, ONSLAUGHT, WOUND, BLACK TUSK, ORCHID, SODOM; siehe Übersicht), werde ich dabei nicht erneut aufführen.

2013 war das Jahr einiger sensationeller Comebacks. Da ist zum einen CARCASS‘ „Surgical Steel“ mit Übersongs wie „A Congleated Clot of Blood“, „The Granulating Dark Satanic Mills“ und „Mount of Extinction“ oder dem 80er-Relikt „Thrasher’s Abbatoir“. Auch wenn sich das Album eher an der „Necroticism“/“Heartwork“-Phase der Band orientiert und damit möglicherweise den einen oder anderen Fan der grindigen Frühphase enttäuscht hat, beweisen CARCASS, dass es auch 2013 kaum eine andere Band in ihrem Genre gibt, die groovenden Death Metal derart locker aus der Hüfte ballert wie die Liverpooler Genre-Pioniere. Zu Recht wurde das Album in der Metalpresse vielfach zum Album oder Comeback-Album des Jahres ausgerufen – und es steht zu hoffen, dass mit CARCASS auch künftig zu rechnen sein wird, nicht nur auf den Bühnen, sondern auch weiterhin in den Studios dieser Welt.

Als ähnlich souverän und über jede Kritik erhaben muss das Monument „13“ gelten, das BLACK SABBATH anno 2013 in Beinahe-Originalbesetzung abgeliefert haben und von dem ich mir im Vorfeld nicht einmal ansatzweise diejenige Klasse erträumt hatte, die es dann tatsächlich vorlegte. Tatsächlich hatte ich dem Sabbath-Comeback sogar schon lange vor Veröffentlichung jedwede Relevanz abgesprochen und mir das Album daher auch gar nicht direkt am Erscheinungstag besorgt – sondern erst drei oder vier Wochen später, und auch dann eher halbherzig denn aus echter Überzeugung (vermutlich einfach nur deshalb, weil ich als Fan der „alten“ Sabbath dann doch ein schlechtes Gewissen hatte, dieses Werk unbeachtet zu lassen). Umso schmerzhafter traf mich dann die Erkenntnis, dass ich mir mit meiner frevelhaften Ignoranz volle drei bis vier Wochen selbstverschuldete Nicht-Erleuchtung eingehandelt hatte: Die Herren Iommi, Butler & Osbourne versuchen sich erst gar nicht an einem stilistischen Querschnitt durch alle ihre gemeinsamen Klassiker, sondern knüpfen vielmehr sehr fokussiert an die eigene Frühphase an – nicht nur mit dem Outro, das eben jenes Regen-Sample verwendet, mit dem weiland 1970 das selbstbetitelte Album-Debüt sowie dessen selbstbetitelter Opener eingeleitet wurde (und das entsprechend zum Ausklang des neuen Albums für einen ordentlichen Gänsehauteffekt sorgt). Auf „13“ regiert das Midtempo, und einmal mehr beweist Riffgott Tony Iommi, ähnlich wie bereits auf dem 2009 unter dem Bandnamen HEAVEN & HELL mit Ronnie James Dio eingespielten Sabbath-Mark-II-Comeback „The Devil You Know“ souveränstmöglich, dass Heaviness alles andere als eine Sache der Geschwindigkeit ist. Brecher wie „End of the Beginning“ oder „God Is Dead?“ überraschen beim ersten Hören durch ihren gemächlich anmutenden Aufbau, fräsen sich dann aber mit einer derartigen Wucht und Hartnäckigkeit ins Hirn, dass sie dort auch Monate später noch ihr Unwesen treiben. Ein Paukenschlag, der seinesgleichen sucht – und entweder ein würdiger Abschluss für das bis dato unabgeschlossene Mark-I-Kapitel der Band oder eben auch ein neuer Anfang; die Liedzeile „Is this the end of the beginning / or the beginning of the end“ mag diesbezüglich als Cliffhanger gelesen werden und macht gespannt, ob hier noch etwas nachkommt (dann möglicherweise sogar mit Bill Ward an den Drums?).

Mit einem dicken Ausrufezeichen in den Veröffentlichungslisten für 2013 zu versehen sind darüber hinaus eine Reihe weiterer Alben – allen voran das unglaubliche selbstbetitelte Album der US-Prog-Thrasher REVOCATION, das über die volle Distanz von zehn eigenen Songs und einem Metallica-Cover mustergültig demonstriert, dass hochambitionierter technischer Anspruch kein bisschen zu Lasten der Songdienlichkeit gehen muss. Was das Trio aus Massachusetts hier auf Albumlänge darbietet, ist zum einen aberwitzige Handwerkskunst in Perfektion, zum anderen ein mitreißendes Thrash-/Death-Monster mit einer Fülle an brillanten Ideen, aus denen, wie es Frank Albrecht treffend fürs RockHard beschrieb, „andere Bands eine Diskographie stricken“ würden. Um das glauben zu können, muss man es selbst gehört haben.

Nicht zu vergessen auch das aktuelle Hardcore-Punk-Gewitter „Live By The Code“ mit dem Übersong „I’m Only Stronger“, das TERROR in diesem Jahr auf die Menschheit haben niedergehen lassen: Hier kommt jeder Song wie ein wütender Affront und ist jedes Riff eine musikgewordene Faust in die Fresse. Man mag diese Art Hardcore primitiv finden, man kann es aber auch als „Harte Schule, aufs Essenzielle reduziert“ und damit als minimalistisch(st)en Ausdruck eines rauen, räudigen Street-Punk mit Thrash-Gitarren begreifen. Oder auch einfach nur geil finden.

Nicht zu vergessen weiterhin das ironisch-pseudointellektualistische beziehungsweise sympathisch-versponnene „Nanobots“-Album von THEY MIGHT BE GIANTS, das zwar alles andere als Metal ist, das ich aber einfach nicht unerwähnt lassen kann. Wer schert sich schon um Genregrenzen? Wenn ein Popalbum ein derartiges Ideen-, Melodien- und Absurde-Pointen-Feuerwerk abbrennt wie dieses, dann ist mir herzlich egal, in welcher musikalischen Tradition es steht. Nicht umsonst lasse ich mir mit dem Untertitel dieses Blogs „Metal … and more ein Hintertürchen offen, meinen Senf quer durch die Bank und über Genregrenzen hinweg zu allem dazuzugeben, das mir würdig erscheint, aus der jährlich anwachsenden Masse der Releases herausgehoben und für zumindest einen Blogeintrag auf ein Podest gestellt und sorgsamer Musterung unterzogen zu werden.^^ Und weiter: AUGUST BURNS REDs „Rescue & Restore“, das ich erstmalig konzentriert auf einer langen Autofahrt durch Frankreich hörte und das mich direkt umgehauen hat. Ist Metalcore bis auf wenige Ausnahmen (die bislang auf Namen wie PARKWAY DRIVE und KILLSWITCH ENGAGE hörten) ansonsten eher nicht so mein Ding, hat mich dieses Album davon überzeugt, dass es auch im Metalcore (noch) herausragende und richtungsweisende Vertreter gibt, die sich durch Originalität und sogar eine gewisse Progressivität von der Masse der Übrigen abheben. Möglicherweise fällt mir das aber nur deshalb so sehr auf, weil für mich die breite Masse der Genrebands im Metalcore-Sektor einfach allzu austauschbar klingt und mir das Genre insgesamt als stilistisch viel zu eng gesteckt erscheint, als dass darin noch Originelles zu tun wäre. Wie auch immer: AUGUST BURNS RED hätten mit ihrer neuen Scheibe auf jeden Fall einen eigenen Blogeintrag verdient gehabt. Vielleicht später einmal.

Als eine weitere Sternstunde des Muskjahres ist darüber hinaus das außergewöhnliche, sich einer stereotypen Schubladisierung entziehende und ungemein suggestive „Sunbather“ von DEAFHEAVEN zu nennen. Das Album vertont die Glückseligkeit, sich durch geschlossene Augenlider dem Gleißen der Sonne hinzugeben. Um diese Erfahrung so eindringlich als möglich nachvollziehbar zu machen, wird unter Verwendung von Black-Metal-Patterns ein Effekt erzeugt, der maximales Eintauchen ermöglicht. Selten war Sonnenbaden derart intensiv. Fantastisch.

Fantastisch auch: STEVEN WILSONs Prog-Meisterwerk „The Raven That Refused To Sing“, das Doppelalbum „Opposites“ von BIFFY CLYRO, das beweist, dass klug komponierter Progressive Rock durchaus pop- und radiokompatibel sein kann („Different People“ war in diesem Jahr einer der großen Ohrwürmer, die mich nicht mehr losgelassen haben), „The Headless Ritual“ von AUTOPSY, auf dem sich die Death-Urgesteine altersgereift mit einem ihrer besten Outputs ever präsentieren (göttlich darauf u.a.: „She Is a Funeral“), sowie „One Of Us Is The Killer“ von THE DILLINGER ESCAPE PLAN, in dem Extremmetall und Pop-Appeal kongenial zum Wahnsinn mit Methode fusioniert werden. Waren die Dillingers mit ihrem ADHS-Metal früher bisweilen über längere Distanz dann doch etwas anstrengend, haben sie inzwischen zu einer beunruhigend perfekten Balance zwischen Irrsinn und Selbstkontrolle gefunden, bei welcher die Songs gerade durch ihre Eingängigkeit noch zusätzliche Energie gewinnen. Das hat gleichermaßen Wucht und Wirkung.

Äußerst druckvoll ausgefallen ist auch das Livedokument „Dying Alive“ zum 2012er Tourabschluss von KREATOR in der Oberhausener Turbinenhalle: eine erstklassige, interessant gefilmte Produktion, die zeigt, wie man trotz der Konkurrenz durch YouTube-Amateurvideos auch heute noch ein Konzert filmisch so in Szene kann, dass die Atmosphäre einer KREATOR-Show (beinahe) so konserviert wird, als sei man dabeigewesen. Natürlich ist das „echte“ Live-Feeling durch nichts zu toppen; als jemand, der beim Gig in Oberhausen vor Ort und im Getümmel war, hat mich der Film trotzdem begeistert. Sympathisch war auch die zugehörige Filmpremiere im August in der Essener Lichtburg – mit der kompletten Band und Teilen der Crew sowie anschließender Frage- und Autogrammstunde.

Zu Jahresende hat mich dann noch die neue DEICIDE „In The Minds Of Evil“ weggeblasen. Zwar ist die Platte als Ganze auf Dauer etwas monoton, das Teil groovt aber wie Sau und stellt das letzte Release der Gotteslästerer aus Florida noch einmal locker in den Schatten. Zusammen mit CARCASS und AUTOPSY belegen DEICIDE eindrücklich, dass diejenigen Bands, die sich Ende der 80er/Anfang der 90er aufmachten, tonnenschwere Pflöcke in das unerforschte Terrain des noch jungen Genres einzurammen, auch heutzutage bei der Definition von Death Metal noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Daneben haben in 2013 erneut verschiedene junge Bands gezeigt, dass die Orientierung an Old-School-Trademarks im Death Metal keineswegs zu einer nur rückwärtsgerichteten (und damit stilistisch stagnierenden) Entwicklung führen muss: Bands wie ATOMWINTER („Atomic Death Metal“) oder die bereits an anderer Stelle besprochenen WOUND („Inhale The Void“) halten klassische Tugenden höchst eindrucksvoll am Leben und zeigen damit, wie zeitlos der von den Genrepionieren (DISMEMBER, MERCILESS, NIHILIST, frühe ENTOMBED, frühe DEATH, MASSACRE sowie den oben erwähnten, noch oder wieder aktiven „Klassikern“) geprägte Stil auch heute noch funktioniert. Überhaupt war Death Metal auch 2013 wieder eines der spannendsten Genres mit vielen frischen Bands, die sich zwischen „klassischen“ Strukturen und modernen Sounds eigene Positionen erarbeiten und damit das Genre nicht nur am Leben halten, sondern auch – evo-, nicht revolutionär – weiterentwickeln.

Wie in jedem Jahr wurde 2013 (leider) auch in der Musikszene (wieder) gestorben. Besonders hart in diesem Jahr (für mich) der Tod von Lou Reed (siehe Nachruf) sowie (für die gesamte Metal-Szene) der Verlust von Jeff Hanneman. Tatsächlich stammen, wie ich mich noch einmal vergewissert habe, die allermeisten meiner SLAYER-Favourites aus der Feder von Jeff. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie ein neues SLAYER-Album klingen mag, auf dem Hanneman nicht am Songwriting beteiligt ist, lasse mich aber gerne überraschen. So unersetzlich der Hanneman-Pol im bisherigen künstlerischen Prozess von SLAYER auch war (und bleiben wird), so sehr sei es natürlich auch dieser Band – wie auch anderen vor ihnen – zugestanden, trotz des Todes eines zentralen Bandmitglieds weiterzumachen und – hoffentlich – wieder zu irgendeiner Art von Form zu finden (nicht nur live, sondern auch auf Tonträger). Neu erfinden werden sie sich dabei sicherlich nicht, denn alle Neu-Erfindung wäre nicht mehr SLAYER. Man wird im nächsten Jahr zu beobachten haben, wie die Band damit umgeht, trotz Verlusts von 50% ihrer Kernbesetzung (Lombardo wurde kurz vor Hannemans Tod von Kerry King gegangen) den Status quo zu erhalten. Kaum eine andere Band (außer MOTÖRHEAD natürlich) genießt quer durch alle Metal-Genres einen derartigen Kult-Status und eine derartige Szene-Credibility. Damit umzugehen wird für die Herren King und Araya sicherlich ein heikles Geschäft.

Worauf freue ich mich in 2014?

Zunächst darauf, dass das Jahr so weitergeht wie es beginnt: Als sporadischer Rezensent für das LEGACY-Magazin hatte ich bereits das Vergnügen, die kommenden Releases von DESCEND, MUSTASCH und CYNIC, die im Januar und Februar erscheinen werden, ausgiebig durchzuhören. Auch wenn das Jahr noch lang ist und genau besehen noch nicht einmal begonnen hat, muss ich DESCENDs „Wither“ schon jetzt als ersten Kandidaten für mein persönliches Album des Jahres in 2014 vormerken. Auch MUSTASCH werden mit „Thank You For The Demon“ nicht enttäuschen, und das neue CYNIC-Album „Kindly Bent To Free Us“ geht konsequent den Weg weiter, den die Herren Masdival und Reinert mit ihrer 2012er EP „Carbon-Based Anatomy“ eingeschlagen haben. Entsprechend wird auch dieses Album (wieder) polarisieren; für Fans, die bereit sind, die Entwicklug der Band seit „Focus“ (1993) mitzugehen (zu denen ich mich selbst zähle), handelt es sich fraglos um ein starkes Album. Mehr dazu in meiner Review für die März-Ausgabe des LEGACY.

Mehr als gespannt bin ich darüber hinaus auf die kommenden Alben von MASTODON, OVERKILL und LEGION OF THE DAMNED, auf die kürzlich von Jimmy Page in einem Interview angekündigten Re-Releases sämtlicher LED-ZEPPELIN-Alben mit zusätzlichem, unveröffentlichten Material sowie – sofern beide noch Wirklichkeit werden – auf die inzwischen mehrfach angekündigten und verschobenen Scheiben von ENTOMBED und SLAYER. Sowie auf all diejenigen Releases, von deren Existenz ich bislang noch überhaupt nichts weiß und die ich im Laufe des Jahres zu entdecken plane. Denn das Entdecken ist es doch, das die Musikszene insbesondere für Metal-Afficionados so spannend macht und spannend hält: Nicht anders als Alexander von Humboldt im 19. Jahrhundert vor den unerforschten Gebieten der Welt seiner Zeit stehen wir jedes Jahr im Dezember vor den weißen Flecken auf der musikalischen Landkarte des kommenden Jahres – hoffend, auch in den nächsten zwölf Monaten wieder ausgiebig finden, staunen und unseren Horizont erweitern zu dürfen. ;-)

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Rübe ab! Onslaught, VI (AFM/Soulfood, 2013)

OnslaughtEin veritables Brett, eine Abrissbirne, ein Album, das dir die Rübe abmontiert und dabei keine Gefangenen macht. Es ist eine wahre Freude, wenn man sich in Bezug auf ein Album ganz ohne Schamgefühl einmal sämtlicher Klischees bedienen darf, die szeneaffine Zeitgenossen und Schreiberlinge gerne dann auspacken, wenn ihnen die Superlative ausgehen.

Noch nie war der Name Onslaught so sehr Programm und Symbol wie auf dem neuem, schlicht „VI“ benannten sechsten Album der Namensträger, das auf den ohnehin schon herausragenden Vorgänger „Sounds of Violence“ noch einmal eine ordentliche Schippe an Wucht und Fokussiertheit drauflegt und das in Zeiten, in denen selbstbetitelte Alben wieder in Mode gekommen sind, gleichermaßen selbstbewusst wie angemessen auch einfach mit dem Bandnamen hätte betitelt werden können.

Wer sich stilistisch derart überzeugend zwischen neueren Kreator (Hordes of Chaos), Overkill (Ironbound) und Testament (Dark Roots of Earth) in Stellung bringt, ein Songwriting vorlegt, das die Trademarks des Genres präziser nicht auf den Punkt bringen könnte, einen Groove auffährt, der einem die Tränen in die Augen treibt wie weiland bei der ersten Begegnung mit Creeping Death, das Ganze mit einem Quentchen Melechesh als Sahnehäubchen ablöscht und dabei nicht einmal ansatzweise den Eindruck erweckt, das Werk sei am Reißbrett auf maximalen Effekt getrimmt worden, der verdient nichts Geringeres als den Titel „Thrash-Album des Jahres„. Auch wenn erst Oktober ist: Für Thrash-Gourmands wurde Weihnachten in diesem Jahr um drei Monate vorverlegt. Onslaught legen die Messlatte dermaßen hoch, dass andere einschlägige Vertreter der Zunft (Slayer, Legion of the Damned) erleichtert sein können, ihre angekündigten Releases erst im nächsten Jahr unters Volk bringen zu wollen. Der Schatten, den dieses Album vorauswirft, ist ebenso lang wie nachhaltig.

All killers, no fillers – In diesem Sinne: Haare auf und Rübe ab!

(Anspieltipps: Fuel for My Fire, Children of the Sand, Dead Man Walking).

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