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So oder so: Der Gott des Gemetzels. Massacre: Back From Beyond (Century Media/Universal)

Massacre, Back From BeyondEs mag sicherlich berechtigt sein, zu diskutieren, ob MASSACRE 2014 den anno 1991 selbst (und für ein ganzes Genre) gesetzten Standards noch genügen (können). Ob man klug beraten war, den neuen Full-length-Output „Back From Beyond“ vom Titel her an den in anderer Besetzung eingespielten Genre-Klassiker „From Beyond“ anzulehnen. Man mag auch die Frage stellen, ob sich die Band nicht möglicherweise einen Gefallen damit getan hätte, unter neuem Bandnamen anzutreten anstatt unter Beibehaltung des alten sich unweigerlich Vergleichen mit dem eigenen Frühwerk auszusetzen (die man nicht gewinnen kann) und Diskussionen zu provozieren, ob man dem eigenen Klassikerstatus – zumal in einer Besetzung ohne< Kam Lee und Bill Andrews – überhaupt noch gerecht zu werden imstande sei.

Das alles mag man diskutieren. Man kann „Back From Beyond“ aber auch ganz unverkrampft als eine Death-Metal-Scheibe hören, die 2014 (und nicht Mitte der 90er) erscheint und somit in eine Zeit fällt, in der die Grundfesten des Genres längst definiert, hunderte Male durchdekliniert und auf diese Weise zementiert wurden. Was um die Wende der 80ern zu den 90ern innovativ war, ist heute weithin anerkannte „Schule“. Was damals als extrem galt, ist heute unanfechtbar Standard und in der Mitte der (Metal-)Gesellschaft angekommen. Innovation findet im Death Metal zwar nach wie vor – und äußerst spannend – an den (mit dem Attribut „technisch“ nur unzureichend charakterisierten) Rändern statt (Ich erinnere z.B. an das jüngst erschienene zweite SOREPTION-Album); wer sich aber im Kernbereich des Genres aufstellt, der kann – und will – stilistisch nichts Neues mehr reißen, sondern tritt an, um zu demonstrieren, dass trotz aller schon vorhandenen Genre-Trademarks und -Axiome noch so einiges geht und noch längst nicht alles gesagt ist. Variation statt Innovation ist die Losung, Renaissance anstelle von Neuerfindung die Devise. Dass in den letzten Jahren eine kaum überschaubare Anzahl junger Bands angetreten ist, das Werk der Altvorderen mit frischem Wind in die Zukunft zu führen, ist der beste Beleg dafür: Bands wie SKELETAL REMAINS, DESERTED FEAR, KAOTIK, WOUND, SMOTHERED, MORFIN, ATOMWINTER und zahlreiche andere haben jüngst ernorm starke Alben abgeliefert, die ohne das Werk der Altvorderen (Bands wie DEATH, MASSACRE, REPULSION, MORBID ANGEL, TERRORIZER, OBITUARY, DEICIDE oder CANNIBAL CORPSE auf der einen und NIHILIST, ENTOMBED, DISMEMBER, CARCASS, GRAVE, UNLEASHED auf der anderen Seite des großen Teiches) undenkbar wären, deren Pionierarbeit zeitgemäß reinterpretieren und mit eigenen Nuancen versehen.

Die Rahmenbedingungen für einen neuen Output aus dem Hause MASSACRE sind somit gänzlich andere als zwei Dekaden zuvor: Die Band tritt nicht mehr als Innovator auf den Plan, sondern als Bewahrer einer alten (selbst mitinitiierten), aber immer noch hochproduktiven Tradition – womit man sich zugleich der Konkurrenz zahlreicher junger, hungriger und talentierter Bands stellen muss, die die Alten Meister bis ins letzte Detail studiert und verinnerlicht haben und daraus ihre eigene, schlagkräftige Version der alten Schule abgeleitet haben.

Kann „Back From Beyond“ in dieser veränderten „Old-School“-Death-Metal-Landschaft bestehen? Es kann. Sympathischerweise erfinden sich MASSACRE nicht wirklich neu, sondern konzentrieren sich auf das, was sie auch dato schon auszeichnete: Death-Metal-Songs, die ohne Sperenzchen zur Sache kommen, das Hirn durchrühren und jede Faser des Körpers ordentlich beuteln. Kompliziert sollen es andere machen: Hier regiert das simple, direkt auf den Punkt gebrachte Statement und nicht die Metapher, hier wird gehobelt anstatt gefeilt – auf souveränstem technischen Niveau und mit Songs, die auch im Midtempo heavy as fuck sind.

Klar: Einiges ist anders als in der klassischen Besetzung. Da wäre zum einen der Gesang: Einen Kam Lee kann man nicht ersetzen. Sehen wir MASSACRE 2014 aber einfach als eine neue Version von MASSACRE 1991, kommen wir nicht umhin, respektvoll zu konstatieren, dass Ed Webb einen verdammt überzeugenden Job macht. Auch klar: Mike Mazzonetto spielt die Drums anders als weiland Bill Andrews (Darauf hat Frank Albrecht in seiner Review im RockHard #323 hingewiesen). Warum aber auch nicht? Orientierte er sich am Minimalismus seines Vorgängers, würde man ihm möglicherweise mangelnde Eigenständigkeit vorhalten. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: Bringen die starken Fills und das unablässig sich abarbeitende Drumkit nicht jede Menge Druck und auch Abwechslung in die Songs?

Meine Mutter sagt immer: „Man kann das so oder so sehen.“ Damit entzieht sie sich ganz gerne mal einer eindeutigen Positionierung in Bezug auf kontroverse Themen. Eine rhetorisch geschickte Strategie, die man auf dieses Album aber ziemlich gut anwenden kann: Man kann MASSACRE 2014 an dero eigenem Frühwerk messen und (wie Herr Albrecht) ein paar, durchaus plausibel begründbare, Kritikpunkte ins Feld führen – und das Album dann letztlich doch irgendwie gut finden (Herr Albrecht konzediert selbst, dass seine „nur“ 7,5 von 10 Punkten möglicherweise etwas „zu streng“ seien). Oder man kann MASSACRE 2014 ganz unvoreingenommen angehen, „Back From Beyond“ unabhängig davon hören, dass es 1991 „From Beyond“ gab und 1991 einfach eine andere Zeit war – und sich ganz entspannt und nach allen Regeln der Kunst die Rübe abmörteln lassen.

Meine Anspieltipps: ‚Honor the Fallen‘ (erhaben!), ‚As We Wait To Die‘ und ‚Succumb To Rapture‘ (evil, rasiermesserscharf und oldschool), ‚Sands of Time‘ und ‚Darkness Falls‘ (simple wie effektive Gewitter!) – und auch der Rest des Materials läuft runter wie rußiges Schweröl am pockennarbigen Schiffsrumpf.

Nächster Halt: MASSACRE (+ Support) live im Siegener Vortex, 10.05.2014. :D

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Lord Dying, Summon The Faithless (Relapse, 2013)

Lord Dying, Summon The FaithlessGäbe es eine Welt ohne Schweiß und weibliche Ermahnung, würde ich dieser Tage mein jüngst erworbenes LORD-DYING-Shirt spontan zur universellen Bekleidung erklären und bis auf Weiteres nicht wieder ablegen: „Summon The Faithless“ ist ein Album, das mich auch nach wiederholtem Hören restlos begeistert. Das Album wartet auf mit Tony-Iommi-Riffing, das durch den Sludgewolf gedreht und mit der Brachialität von Black Tusk, frühen Mastodon und jeder Menge Proto-Thrash angereichert wurde. In punkto Sound und Atmosphäre vereint man dabei die besten Elemente von frühen Black Sabbath und prototypischem Sunlight-Death-Metal. Räudige Mitten-in-die-Fresse-Vocals irgendwo zwischen Paul di Anno und Johnny Hedlund verpassen dem Ganzen den nötigen Dreck unter den Fingernägeln, dessen es bedarf, um bei Erstkontakt nachhaltig zu infizieren. Das Resultat sind acht Perlen feinster Sludge-Doom-Post-Death-wasauchimmer-Herrlichkeit: ‚Descend Into External‚, ‚Dreams Of Mercy‚, ‚Greed Is Your Horse‚ und ‚What Is Not … Is‚ grooven wie ins Doomige gewendete, bitterböse Bastarde aus Mastodon und Unleashed, ‚In A Frightened State Of Gnawed Dismemberment‚ fährt mehrere Sorten erhabener Sabbath-Gedächtnis-Riffs auf und kleidet diese in einen kompromisslosen Dismember-Sound, ‚Summoning The Faithless‚, ‚Perverse Osmosis‚ und ‚Water Under A Buring Bridge‚ sind schleppend-giftige Sludge-Doom-Monster mit wuchtigem Drumming und erbarmungslosem Zersetzungspotenzial. Diese Platte ist zugleich finsterer Hassklumpen, schonungslos und direkt wie prototypischer Hardcore-Punk, simpel und eingängig im Ansatz und voller heimtückischer Widerhaken. Sie wird, wenn du dich nicht vorsiehst, sich in deinem Gehör festsetzen, in dein Gehirn einfressen, dort eitrige Wurzeln schlagen, auswuchern und böse Früchte tragen, um dir schließlich von innen heraus den Schädel zu spalten. Wenn du dafür bereit bist: Bitteschön! Aber sag später nicht, man hätte dich nicht gewarnt!

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Smothered, The Inevitable End (Soulseller/Soulfood, 2013)

Smothered, The Inevitable EndDie ungestüme Wucht von DISMEMBERs „Override the Overture“ oder NIHILISTs „Abnormally Deceased“ wird vermutlich keine Band der Welt mehr vergleichbar hinbekommen, den räudigen Groove von UNLEASHEDs „The Immortals“ ebenfalls nicht. Warum nicht? Weil heutigen Death-Metal-Bands das relevante Maß an Naivität fehlt, mit dem man nur in einem noch weitestgehend unerforschten Terrain (= der Spielwiese eines eben erst in Formung befindlichen neuen Genres) zu Werke gehen kann. Hat ein Genre bereits Geschichte (und die des Death Metal ist inzwischen fast zweieinhalb Jahrzehnte alt und entsprechend ausdifferenziert, vielfach durchreflektiert und mit wechselseitigen Querverweisen im Schaffen der heute aktiven dritten, vierten, fünften Generation von Bands verinnerlicht) und wurden dessen zentrale Trademarks bereits in zahlreichen Referenzwerken entwickelt, verfeinert und dokumentiert, dann ist ein „naiver“ (oder wahlweise auch „nativer“) Zugang kaum mehr möglich – und von heutigen, neu auf dem Genre-Parkett debütierenden Bands auch nicht mehr erwartbar. Wer heute im Death Metal anfängt, steht bereits – ob er es will oder nicht – auf den Schultern von Riesen und muss, will er einen eigenen Akzent setzen und Interesse auf sein künstlerisches Tun lenken, diese überragen, ohne dabei zu vergessen, dass ihm dieses überhaupt nur durch das Stehen auf den erwähnten Schultern möglich ist.

Die Spielräume, sich innerhalb eines Genres ein eigenständiges Profil zu erarbeiten, sind also extrem eng gesteckt, es wie die „Altvorderen“ zu einer Band mit Klassikerstatus zu bringen, ist ohnehin so gut wie ausgeschlossen. Nicht wenige Bands wählen daher den Weg in die Progressivität – und solche Bands braucht es, um die Innovationsmaschine am Laufen zu halten und durch die Reinterpretation und reflektierte Infragestellung des Etablierten immer wieder Neues auszuprobieren und zu schaffen: Neues, das sich möglicherweise eines Tages selbst zu einem Genre verfestigt, sich als eigenständige Struktur etabliert, Wurzeln und Triebe schlägt, auswuchert und sich verselbstständigt. Progressivität ist wichtig, denn – wie es der jedweder Metal-Affinität unverdächtige Herbert Grönemeyer einmal in einem Song auf den Punkt brachte – „Stillstand ist der Tod“. Auf der anderen Seite braucht es aber auch solche Bands, die die klassischen Standards am Leben halten und uns durch immer wieder neue Variation des Kanonischen vor Augen führen, wie zeitlos das Schaffen der Klassiker doch war und ist. Das schärft den Blick fürs Wesentliche und lädt ein zur Neuenteckung wie auch zur immer wieder neuen Analyse und Auseinandersetzung (und damit letztlich wieder zur Innovation).

Es ist daher sowohl erfrischend wie auch erfreulich, wenn einzelne Bands das Ungestüme der Pionier- und Entdeckerphase des Death Metal in einer Weise wiederaufleben lassen, die sehr nahe an den Geist der Anfangstage heranreicht, ohne dabei konstruiert oder gewollt wirken oder mit jeder Note in ehrfürchtiger Anbetung zu erstarren. Was damals Sprengkraft und Innovationspotenzial hatte, ist in seiner heutigen Rekonstruktion natürlich wertkonservativ und rückwärtsgewandt; als respektvolles Denkmal wie auch als Futter für all diejenigen, die für zusätzliche Releases aus der Frühzeit der oben erwähnten Pioniere des Stockholm-Sounds sich von Teilen ihrer sonstigen Plattensammlung, möglicherweise sogar von Körperteilen, trennen würden, taugt es aber optimal.

Der langen Rede kürzestmöglicher Sinn: Kauft euch SMOTHEREDs Debütalbum „The Inevitable End“ und die frühen 90er sind zurück: in eurem Ohr, in eurem Kopf, in eurem Leben, in dem Bier in eurer Hand. So einfach ist das. Und vor allem so geil.

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Renaissance, nicht „retro“: Wound, Inhale the Void (F.D.A. Rekotz/Soulfood, 2013)

woundWarum nicht einmal ein Stück Death Metal unter Nutzung lediglich simpelster ästhetischer Kategorien beschreiben? Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Nun denn: Das Debütalbum der Wiesbadener Death-Metal-Formation Wound ist ein schönes Album geworden. Es erquickt das Herz und erfüllt die Seele mit Wonne – nicht nur (aber insbesondere auch) für denjenigen, der ein mit den Trademarks und Traditionslinien des Genres sozialisiertes und an schwerem Gerät der Marke Dismember oder Grave geeichtes Gehör sein Eigen nennt. Geschmackvolle Referenzen und ansprechende Remineszenzen an diese und andere Altvordere gibt es sattsam und zuhauf – und darüber hinaus noch einiges mehr (Elemente „klassischen“ Crustcores, Black Metals und Death’n’Rolls). Dabei agiert das Album einerseits bewahrend (im Sinne eines wohlverstandenen Konservatismus), andererseits aber mit einer relativen kompositorischen Beinfreiheit, die sich nicht darauf beschränkt, lediglich zum x-ten Male die Standards des Genres zu reproduzieren und sich innerhalb derer engen Grenzen kaum innovative Ambitionen zugesteht, sondern die mit Lust (aber nicht über Gebühr) ihre opulent und schmackhaft angerichteten (Blut-)Mahlzeiten mit Kräutern aus anderer Herren Botanisierbüchse würzt, dass es eine wahre Freude ist.

Besonders eindrücklich lässt sich dies am Song „Forever Denial“ nachvollziehen, der in viereinhalb Minuten die Quintessenz aller Einflüsse zusammenfasst, aus denen Wound schöpfen: Der Song beginnt mit angeschwärztem Black-Metal-Geblaste (ähnlich wie auf Teilen des letzten Unleashed-Outputs, aber ungezügelter und frischer), leitet dann über in eine Uptempo-Strophe mit bleischweren Riffs, die Sunlight-Gedächtnis-Sound auffahren und dem Death’n’Roll huldigen. Dann ein kurzes Rock’n’Roll-Lick, bis das Death’n’Roll-Riff wiederkehrt und gedoppelte Crust-Shouts, die sich auch auf einem neueren Napalm-Death-Release vortrefflich machen würden, den Song zum Höhepunkt treiben. Anschließend erneut angeschwärztes Geblaste, zweite Strophe, Rock’n’Roll-Lick, Crust, dann – wie geil ist das denn! – ein locker und unprätentiös aus der Hüfte geballertes Rock’n’Roll-Solo. Der Song schließt mit einem Moshpart, in dem noch mal mächtig Druck aufgebaut wird. Klingt zusammengepuzzelt? Mag man vermuten, ist es aber nicht: Der Song hat einen gewaltigen, immer in der Stockholm-Version des Death Metal wurzelnden Groove, in dem sich die verschiedenen stilistischen Elemente sehr natürlich zusammenfügen und der einen locker-flockig mit sich reißt („Like an Everflowing Stream“, irgendwer?).

Wer nun glaubt, Wound seien eine „progressive“ Band, die sich nur zwischen den Stilen zuhause fühlt und klassischen Death Metal letztlich nur als ein Stilmittel unter vielen denn als echtes Fundament nutzt, der irrt: Wound sind 100% purer, unverfälschter, roh und blutig servierter, „klassischer“ Death Metal – stellenweise sogar derart klassisch, dass man die Jungs fast noch im (schwedischen) Proto-Death-Metal verorten möchte, also in derjenigen Ära stilistischer Freiheit, in der sich der Death Metal noch gar nicht einer eigenen Genre-Existenz bewusst war, die Eckpfeiler dessen, was Death Metal grundlegend ausmacht, noch nicht einzementiert waren und diverse Pioniere, inspiriert von Thrash und Hardcore-Punk, sich gerade erst anschickten, neue Wege des Extremen in der Musik auszuloten. Wound gehen an diese Wurzeln zurück, erfinden dort das Rad (natürlich) nicht neu, legen aber noch mal eine gehörige Schippe neuen Drive drauf: Frühe Dismember, Grave, Entombed und die Nihilist-Demos lassen grüßen, sowohl soundtechnisch als auch in punkto Songwriting. Der Gesang ist ebenfalls viel näher an den Shouts schwedischer Genre-Pioniere wie Corpse, Merciless oder Nihilist als am Growling der fortgeschrittenen 90er. Für heutige Ohren klingt das wie eine Death-Metal-Stimme mit Black-Metal- und/oder Hardcore-Einschlag – aus Sicht der späten 80er ist es purster und ursprünglichster Death Metal.

Insgesamt umfasst „Inhale the Void“ acht vollwertige Songs, ein kurzes Intro sowie – als das Album beschließendes Stück und Titeltrack – eine Akustiknummer, die wehmütige Erinnerungen an Metallica zu Zeiten Cliff Burtons (!) heraufbeschwört.

FAZIT:

Nach ihrem bereits vielbeachteten Demo „Confess to Filth“, das der Band Ende 2012 die Auszeichnung als „Demoband des Monats“ im RockHard einbrachte, legen Wound mit „Inhale the Void“ den Grundstein für ein hoffentlich ebenso beachtliches künftiges Oeuvre. An einigen wenigen Stellen in dem einen oder anderen Song des Albums bleibt zwar kompositorisch noch ein wenig Luft nach oben – diese werden die vier Jungs aus Wiesbaden bis zu ihrem nächsten Release aber mit Sicherheit noch locker weginhalieren können. Insgesamt ist „Inhale the Void“ ein wummerndes und druckvolles, dabei ungemein bösartiges und ergo den geneigten DM-Hörer vollumfäglich(st) entzückendes Statement, mit welchem eine weitere Band (neben im Vorjahr herausragenden Acts wie Skeletal Remains, Deserted Fear oder Kaotik) den Nachweis antritt, dass im Death-Metal-Genre in kreativer Hinsicht auch heute noch jede Menge Potenzial schlummert. Die neue Garde genrespezifischer und hochklassiger Bands, die in den letzten zwei, drei Jahren – maßgeblich gefördert von Labels wie F.D.A. Rekotz, die auch Wound herausbringen – auf den Markt drängen, ist – trotz ihres Bekenntnisses zu alten bis z.T. sehr alten Referenzwerken – alles andere als „retro“: Sie ist nicht rückwärtsgerichtet, sondern knüpft an Kanonisches an, um Neues zu erschaffen und ihre Referenzen unter zeitgemäßen Vorzeichen weiterzuentwickeln. „Death-Metal-Renaissance wäre, wenn schon ein Etikett benötigt wird, daher deutlich angemessener.

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