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[Live] Uriah Heep, Zeche Bochum, 09.12.2014

Uriah Heep live on stage

Wenn man sich mit Anfang 40 mal wieder richtig jung fühlen möchte, geht man auf ein Uriah-Heep-Konzert. Wie praktisch, dass die Hardrock-Urgesteine, die in diesem Jahr ihr 45. (!) Bandjubiläum feiern, gerade ein neues Album draußen haben und mit diesem auf Tour sind. Die Zeche ist rappelvoll, der Altersdurchschnitt liegt irgendwo jenseits der 55. Die Show ist zwar routiniert, die Band ist aber nach wie vor mit viel Freude bei der Sache. Klassiker wie ‚Gypsy‘, ‚Easy Livin‘ und ‚July Morning‘ sind Pflicht, um ‚Lady In Black‘ kommt man natürlich ebenfalls nicht herum. Dass insbesondere der letztgenannte Song von der Band bereits  zigtausende Male dargeboten wurde, ist überdeutlich. Die Songs des neuen Albums, die in der Setlist den Löwenanteil stellen, sowie ‚What Kind Of God‘ vom Vor-Vorgänger „Wake The Sleeper“ wirken dagegen wesentlich frischer, hier hat die Band ganz offensichtlich großen Spaß. Mit ‚The Magician’s Birthday‘ wird schließlich – durchaus überzeugend – auch ein Long-Song aus der Prog-Frühphase der Band zum Besten gegeben. Die Riffs sitzen, der mehrstimminge Gesang kommt tadellos, und Bernie Show macht – wie gewohnt – als Frontmann einen verdammt guten und sympathischen Job. Ur-Mitglied Mick Box, inzwischen 67, bleibt hingegen über weite Teile des Sets statischGesten; bei ‚Lady In Black‘ lässt er sich dann aber doch zu einer Ansage hinreißen und erntet dafür großen Applaus.

Das letzte Mal live gesehen habe ich Heep vor 23 Jahren – auch damals galten sie bereits als alte Herren. Damals wie heute haben sie aber gezeigt, dass sie (a) Clubs von der Größe der Zeche noch locker voll bekommen, (b) eine richtig gute, abwechslungsreiche und unterhaltsame Rock-Show abliefern können, die manch junger Band des Genres in nichts nachsteht, dafür aber auf mehrere Jahrzehnte Erfahrung zurückgreifen kann, (c) eine derjenigen Bands aus den späten Sechzigern sind, die sich schon immer als Live-Band verstanden haben und bei denen ergo das, was man auf Konserve präsentiert bekommt, auch auf der Bühne überzeugend reproduziert wird (inklusive Leadvocals und Gesangsharmonien). Das ist im wahrsten Sinne „alte Schule“.

Zu den Vorgruppen nur wenige Worte: 21OCTAYNE bemühen sich redlich, werden aber mit ihrem Puzzle aus sehr durchschnittlichen, schon sehr oft anderweitig gehörten Standard-Versatzstücken des 70er- und insbesondere des 80er-Rock kaum nenneswert weiter von sich reden machen als über ihren lokalen Wirkungskreis hinaus. Immerhin aber ein sympathischer Auftritt, der – auch aufgrund mitgebrachter Fanbase – vom Publikum wohlwollend aufgenommen wird.

VOODOO CIRCLE sind hingegen eher ärgerlich: Mit zig Effekten aufgepumpte, in punkto Songwriting aber strunzlangweilige Power-Rock-Songs paaren sich mit einer derart überzogenen Rockstar-Attitüde – insbesondere des Sängers David Readman (unter anderem auch bekannt von Pink Cream 69) –, dass es alles sprengt, was man sich an Realsatire vorstellen kann (Spinal Tap, irgendwer?). Readman ist nicht Coverdale (und davon, es tatsächlich zu sein, auch die eine oder andere Galaxie entfernt), scheint das aber als einziger noch nicht so recht mitbekommen zu haben. Gut, dass das Set irgendwann vorüber ist. Der einzig interessante Song ist das Led-Zeppelin-Cover ‚Rock and Roll‘ ganz am Ende, das einigermaßen passabel dargeboten wird; im Kontext des gesamten Auftritts ist diese Coverversion aber eigentlich eine Frechheit.

Egal: URIAH HEEP entschädigen mit ihrem anschließenden Auftritt locker für die Lebenszeit, die man gezwungenermaßen den Support Acts geopfert hat, um endlich den Hauptact sehen zu können. Und Bernie Shaw demonstriert mit seiner unprätentiösen, charmanten und immer auch ein wenig lausbubenhaften Art, dass die wahren Meister ihres Fachs peinliches Rockstargehampel à la VOODOO CIRCLE nicht einmal im Ansatz nötig haben, um auf voller Linie zu überzeugen.

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God save the … nein, halt: Die neue Single von Mustasch („Feared and Hated“, Gain/Sony Music, 2013)

Mustasch, Feared and HatedAm vergangenen Mittwoch ist Mustaschs Beitrag zur Eröffnung der Weihnachtszeit erscheinen – mag man meinen, wenn man die Single „Feared and Hated“ zum ersten Mal hört und zunächst mit sechzehn Takten zweistimmigen „Ah-ahs“ im betulichen Tempo begrüßt wird. Maria und Josef!, ist man spontan versucht auszurufen, wo sind sie nur hin, der Mustasch-typische Biss und das Löwengebrüll aus „Mine“ und Consorten?

Keine Bange: Der Schein trügt. Stille Nacht geht anders, und das Intro des Songs führt zunächst augenzwinkernd aufs (winterliche) Glatteis. Auch wenn sich das Intro erst nach vollständiger Erschließung des Songs kohärent in den Gesamteindruck fügt (eigentlich eine recht originelle Anspielung auf unsere linearen Hörgewohnheiten), so ist die Single „Feared and Hated“, vorab ausgekopppelt aus dem am 15.01. erscheinenden neuen Album „Thank You For The Demon“ alles andere als ein besinnlicher Weihnachtsschunkler. Er ist aber auch nicht zu 150% das, was man von Mustasch nach den letzten beiden – großartigen – Alben „Mustasch“ (2009) und „Sounds Like Hell Looks Like Heaven“ (2012) erwartet hätte, nämlich keine Fortschreibung des bewährten Stils mit neuen Riffs, sondern kann durchaus als eine Erweiterung des stilistischen Repertoires der Band angesehen werden – ob nur für diesen einen Song oder für das gesamte kommende Album, wird im Januar herauszufinden sein. Gerade das macht diesen Song als Teaser so gut.

Zur Beruhigung sei vorweggeschickt: Was Mustasch mit „Feared and Hated“ unternehmen, entfernt sich keineswegs meilenweit von dem, wofür die Band steht; statt dessen werden aus der ureigenen Kernkompetenz der Band – einem Händchen für knackige Riffs und sich unmittelbar ins Ohr groovende Songs sowie der unverwechselbaren Stimme von Ralf Gyllenhammar – neue Facetten herauspräpariert, die man nicht unbedingt erwartet hätte, die aber, so sie nun als Song vorliegen, durchaus Sinn ergeben und zu gefallen wissen. Die  Bezugspunkte heißen dabei weniger Dio, Black Sabbath und Danzig, als vielmehr – man staune! – Queen, Uriah Heep und Thin Lizzy. Das zeigt sich in mehrstimmigen Gesangsharmonien (Queen, Heep), das zeigt sich in einem Strophen-Riff mit vorwärtspreschendem Drumming im Stile von „Keep Yourself Alive“ oder „Headlong“ (Queen), das zeigt sich in Twin Leads à la Lizzy, die in der Wiederholung zu Triple Leads à la Brian May gesteigert werden. Über all dem: Gyllenhammar, mal gehetzt vorwärtsshoutend (wie man das von ihm kennt), mal mit sich selbst im Duett oder gegenläufig harmonierend (Chorus), das Ganze mit einem Charme vorgetragen, der – ohne Gotteslästerung betreiben zu wollen – in manchen Augenblicken zwar nicht der stimmlichen Brillanz, aber durchaus dem Charme Freddie Mercurys aufregend nahe kommt. Auch die dezent narzisstisch angehauchten Lyrics (die Gyllenhammar stets mit einem Augenzwinkern in der Stimme vorträgt) lassen den Geist von Freddie assoziieren, was man als warmherzige Hommage oder eben auch als originell transformierte stilistische Anleihe bei einer der ganz großen Referenzbands des Progressive Rock werten kann.

Das ist toll, das ist überraschend, und das ist – hat man erste Irritationen überwunden – ungemein überzeugend und mitreißend. „Feared and Hated“ macht Lust aufs kommende Album. Enorme Lust.

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